Kaum eine Autobiographie der Frühen Neuzeit ist bekannter als die der “Glückel von Hameln”, die eigentlich Glikl bas Juda Leib, also Glikl, Tochter des Juda Löw, hieß und 1646 in Hamburg geboren wurde. Ihren Beinamen “von Hameln” erhielt sie von dem ersten Herausgeber ihrer Erinnerungen, da ihr Ehemann Chajim aus Hameln stammte. Zurückgehend auf eine Hamburger Konferenz von 1996, fächert der von Monika Richarz herausgebene Band über die bemerkenswerte Perlen—und Juwelenhändlerin zahlreiche Aspekte ihres Lebens und der Verhältnisse ihrer Zeit auf. Ein erstes Kapitel beschäftigt sich mit der Sprache, der Erzähltradition und der Selbstdarstellung Glikls, ein zweites beleuchtet die Wechselbeziehungen zwischen jüdischer und christlicher Welt im Hamburg des 17. Jahrhunderts, während der in den Memoiren geschilderten jüdischen Religiosität und dem Wirtschaftsleben zwei weitere Abschnitte gelten. Aus alledem ergibt sich das Bild einer gebildeten und gewitzten, selbstbewußten und religiösen Frau, deren Erinnerungen man ebenfalls unbedingt lesen sollte.
Rezension: Talkenberger, Heike





