Des Weiteren: eine Anweisung an die Kanzlei, welche vollständige Pressefreiheit in Kraft setzt, sodass Bücher ohne jede Form der Zensur gedruckt werden können.“ So schrieb es der 21-jährige König Christian VII. (reg. 1766–1808) eigenhändig bei einer Sitzung des Ministerrats auf ein loses Blatt Papier, zusammen mit einer ganzen Reihe weiterer Instruktionen. Als der Befehl zehn Tage später, am 14. September 1770, Gesetz wurde, war seine Regierung eine der ersten auf der Welt, die vollständige Pressefreiheit ausdrücklich erlaubte. Und das war nur der Anfang einer turbulenten Zeit in Dänemark-Norwegen.
Hinter dieser schier unglaublichen Reform steckte aber weder der König noch einer seiner Minister, sondern sein Leibarzt Johann Friedrich Struensee (1737–1772), der gemeinsam mit dem König der Sitzung beiwohnte. Struensee schickte sich in diesen Tagen an, die Staatsgeschäfte vollständig zu übernehmen, während er private Stunden vermutlich damit zubrachte, ein Kind mit Königin Caroline Mathilde (reg. 1766–1772) zu zeugen. Innerhalb eines Jahres sollte er Dänemark-Norwegen auf den Kopf stellen und Gesetze erlassen, die in dem autoritär regierten Land kurz zuvor noch völlig undenkbar gewesen wären.





