Mit den rund 300 farbigen Abbildungen vermag der schöne Bildband von Ruth Eaton wirklich zu beeindrucken. Er präsentiert Entwürfe zur idealen Stadt von der Antike bis zur Gegenwart – in faszinierender Vielfalt. Beginnend bei Platon, der einen idealen Stadtstaat dem angeblich dekadenten Athen entgegensetzte, über die irdischen Paradiese des Christentums, die Utopien der Renaissance – die nicht zuletzt auf den Versuchsfeldern der “Neuen Welt” ihre Verwirklichung fanden – und die Planstädte der Aufklärungsphilosophie bis hin zum modernistischen Metropolis des 20. Jahrhunderts wird der Bogen gespannt. Der erläuternde Text ist ebenso qualitätvoll wie die Bilder. Er zeigt den Zusammenhang der Architekturträume mit den literarischen, politischen und philosophischen Utopien – sie alle Reaktionen auf die jeweiligen Zeitverhältnisse, die sie sogar teilweise zu ändern vermochten. Getragen von der Vision der Machbarkeit der Welt, vermitteln die Entwürfe zur idealen Stadt auch immer Ideen zu einer idealen Gesellschaft, üben herbe Kritik am Bestehenden, wollen häufig soziale Ungleichheit beseitigen und eine Ordnung schaffen, die der als chaotisch empfundenen Realität entgegengesetzt wird.
Rezension: Talkenberger, Heike





