Ernst Baltrusch, Professor für Alte Geschichte an der Freien Universität Berlin, geht es darum, anhand aller verfügbarer Quellen den historisch bedingten Widerspruch zwischen den jüdischen Gemeinwesen und dem Römischen Reich herauszuarbeiten, der letztlich der Grund für alle jüdisch-römischen Konflikte war. Die Untersuchung setzt deshalb ein mit der Entstehung und Entwicklung des Judentums als religiöser und politischer Größe von 727 – 332 v. Chr. Einerseits stellte die jüdische Religion mit ihrem rigorosen Monotheismus und dem Jerusalemer Tempel als identitätstiftendem Zentrum von Anfang an den Angelpunkt der angestrebten politischen Eigenständigkeit gegenüber den Herrschaftsansprüchen äußerer Mächte dar. Andererseits hatte die jüdische Selbstbestimmung im Perserreich eine politische Ordnungsfunktion und stand deshalb in Übereinstimmung mit den Herrschaftsinteressen der Vormacht. Mit dem Beginn der Griechenherrschaft im Vorderen Orient verlor die jüdische Religion diese ordnungspolitische Komponente; der Status der Juden hing nunmehr vom Wohlwollen der hellenistischen Herrscher ab. Dagegen erschienen die Römer den Juden aufgrund ihrer allgemeinen außenpolitischen Prinzipien zunächst als der ideale Partner, um ihrem Anspruch auf Selbstbestimmung Nachdruck zu verleihen und auch die Römer ließen die Juden zunächst gewähren. Doch die Zusammenarbeit hörte auf, als sich der jüdische Hasmonäerstaat zu einem aufstrebenden hellenistisches Reich entwickelte und für Rom zunehmend lästig wurde. Überhaupt empfand man die jüdische Religion bald als Störung der Homogenität des Weltreiches und als Hindernis für die Integration der Juden. Die Krise des Hasmonäerstaates provozierte 63 v. Chr. das unmittelbare römische Eingreifen. Die militärische Eroberung Jerusalems durch Pompeius sollte die Region befrieden. Judäa wurde nun Teil des Römischen Reichs und der Aufsicht des syrischen Statthalters unterstellt. Indes kollidierte der römische Herrschaftsanspruch mit dem historisch gewachsenen jüdischen Religionsverständnis. Die Römer wollten die jüdische Religion als Element der Integration der Provinz in das Reich instrumentalisieren. Die Juden hingegen verbanden mit ihrer Religion die Forderung nach politischer Freiheit und Eigenständigkeit auch unter der Vorherrschaft einer fremden Macht. In diesem Grundwiderspruch sieht Baltrusch die eigentliche Ursache für das Scheitern der römischen Herrschaft über Judäa, die schließlich mit den blutigen jüdischen Aufständen der ersten beiden Jahrhunderte n. Chr. einen katastrophalen Verlauf nahm.
Rezension: Tilly, Michael





