Als Jeanne Anfang März 1429 am Königshof in Chinon eintraf, war man dort schon in groben Zügen über sie informiert und zweifellos neugierig. Insgesamt war die Stimmung jedoch schlecht. Immer wieder hatte es militärische Fehlschläge gegeben, und nun belagerten die Engländer seit mehr als einem halben Jahr die strategisch wichtige Stadt Orléans. Wenn sie fiel, konnten die Feinde weiter nach Süden vorstoßen und jene Gegenden erobern, die Karl (VII.) von Valois bislang noch unter Kontrolle hatte. Gleichzeitig erschien eine junge Frau und erklärte, sie werde Frankreich von den Engländern befreien. Musste man nicht wenigstens prüfen, ob etwas daran war?
Von Anfang an ging es also nicht nur um Jeanne als Person, sondern auch um ihren potentiellen politischen Nutzen für den König und für die Interessengruppen am Hof. Sehr schnell stellten sich diejenigen hinter Jeanne, die am meisten zu verlieren drohten: die Amtsträger und die Parteigänger Herzog Karls von Orléans. Der Cousin Karls von Valois – seit 1415 in englischer Gefangenschaft – erhielt einen Großteil seiner Einnahmen aus dem Umland der Stadt Orléans. Fiele diese Region an die Engländer, würde die Orléans-Partei ihre Einnahmen und damit ihren Einfluss am Hof verlieren.





