Katharer – wörtlich “die Reinen”; deutsch wurde daraus ‚Ketzer‘ – erfreuten sich zu Anfang des 13. Jahrhunderts in Südfrankreich großen Zulaufs bei Menschen aller sozialer Schichten. Barber greift weiter aus als Emmanuel Le Roy Ladurie in seiner berühmtem Fallstudie zu den Katharern ‚Montaillou. Ein Dorf vor dem Inquisitor‘ (Beck 1980), den Barber nur in einer Fußnote erwähnt. Der Autor erörtert mögliche Vorläufer-Bewegungen, Lehre und Volksglauben der Katharer, die Lebensführung einfacher Gläubiger sowie “Vollkommener”. Ausführlich geht er auf die Reaktion der etablierten, sich in ihren Grundfesten bedroht fühlenden Kirche ein: 1208 rief Papst Innozenz III. zu einem Kreuzzug auf: Die Katharer sollten ausgerottet, ihre Infrastruktur vernichtet werden. Kirchliche und weltliche Amtsträger führten den Auftrag mit Härte, Infamie und Mitleidlosigkeit aus, die den Methoden totalitärer Scheusale des 20. Jahrhunderts nicht nachstehen. Abschließend weist Barber nach, daß seit Ende des 19. Jahrhunderts manche der “neuen Katharer” dem nationalsozialistischen bzw. faschistischen Gedankengut in Deutschland, England und Frankreich auffällig nahestanden. Die Darstellung hebt sich wohltuend ab von esoterischen Schriften zum Thema Katharer. (In diesem Umfeld enstanden von 1970 bis 1990 etwa 200 Titel!). Sie bleibt nah bei den Quellen, die sie oft ausführlich zitiert und diskutiert. Ohne Scheu bekennt der Autor, daß manches unsicher bleibt, so etwa die Gründe, welche die Katharer gebildeten Adligen und wohlhabenden Bürgern so attraktiv erscheinen ließen. Schließlich bietet das Buch gut dargestellte Hintergrundinformationen denen, die eine Reise nach Albi, Béziers, Carcassonne, Montségur, Toulouse… vorbereiten.
Rezension: Ohler, Norbert





