Dieser Gefahr will ihn Annelies Laschitza entreißen. Sie schildert den Politiker, der im Dezember 1914 als einziger Reichstagsabgeordneter die Bewilligung der Kriegskredite verweigerte, als einen leidenschaftlichen, musischen und aufrichtigen Menschen, dessen geradlinige und konsequente Haltung als Vorbild für eine humanistische Politik dienen könne.
Auf der Basis eingehender Quellenstudien beschreibt die Autorin den privaten und politischen Lebensweg des Anwalts, der 1871 als Sohn des SPD-Gründers Wilhelm Liebknecht geboren wurde. Als An‧timilitarist und Revolutionär saß Liebknecht mehrmals im Gefängnis, bevor er Ende 1918 die Kommunistische Partei Deutschlands mitbegründete. Seine zweite Frau Sophie ist ihm nur im Titel des Buches gleichgestellt; letztlich handelt es sich um eine Biographie ihres Mannes.
Laschitza ist bereits in der DDR als Liebknecht- und Luxemburg-Expertin hervorgetreten. In ihrer neuen Darstellung räumt sie frühere ideologische Verengungen ein. Allerdings besteht insgesamt wenig Distanz zur Eigenwahrnehmung der Protagonisten, die in ihren Briefen ausgiebig zu Wort kommen. In der Beurteilung der politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen der Tätigkeit Liebknechts finden sich marxistische Erklärungsmuster, deren Berechtigung nicht weiter diskutiert wird.
Entstanden ist auf diese Weise ein sympathisches Porträt. Es weckt Respekt für die Opfer, die Liebknechts Familie bringen musste. Weniger ausgeprägt sind neue Akzente für die Gesamtbeurteilung seines politischen Wirkens.
Rezension: Mares, Detlev





