Irgendwo in der Nähe der nördlichen Grenze Biafras fielen am 5. oder 6. Juli 1967 die ersten Schüsse. Der nigerianische Bürgerkrieg hatte begonnen. Verbände der Regierung rückten an zwei Fronten gegen die Truppen des abtrünnigen Bundesstaats vor. Innerhalb weniger Wochen konnten sie beträchtliche Gebietsgewinne verzeichnen. Was noch wichtiger war: Es gelang ihnen, Nigerias einziges Seehafenterminal für Öl zu erobern. Das Öl spielte in diesem Konflikt eine zentrale Rolle. Aber auch andere Faktoren zählten in diesem Krieg, der bald die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit auf sich ziehen sollte.
Erst seit dem 1. Oktober 1960 war Nigeria unabhängig. Damals war die 99-jährige Kolonialherrschaft der Briten zu Ende gegangen, und Premierminister Sir Abubakar Tafawa Balewa (1957–1966) hatte verkündet: „Dies ist ein wundervoller Tag!“ Es wurde gefeiert. Die Stimmung war ausgelassen.
Schon wenige Jahre später war der Enthusiasmus der ersten Tage jedoch in Ernüchterung umgeschlagen, das politische Klima rauher geworden. Im Oktober 1965 kam es im Westen des Landes zu schweren Ausschreitungen, nachdem es bei regionalen Wahlen Unregelmäßigkeiten gegeben hatte und anschließend Oppositionspolitiker verhaftet worden waren. Die Bevölkerung sah in der regierenden Nigerian National Democratic Party (NNDP) lediglich eine Marionette der Hauptstadt Lagos und des Premierministers Balewa, mit dessen Northern People’s Congress (NPC) die NNDP kooperierte.
Den Hintergrund dieser Spannungen bildete die Entdeckung zahlreicher Ölvorkommen in Nigeria. Die nigerianischen Bundesstaaten traten zunehmend in Konkurrenz zueinander. Öl bedeutete Reichtum und politischen Einfluss. Die Hälfte der Einnahmen aus dem Verkauf kam dem Bundesstaat zugute, in dem das Öl gefördert wurde. Der Westen und der Osten des Landes rangen auf dem Ölmarkt um die Vorherrschaft, während sich der Norden zunehmend abgehängt fühlte. Dabei traten ethnische Differenzen der regionalen Bevölkerungsgruppen immer deutlicher in den Vordergrund.
Am 15. Januar 1966 kulminierten diese Spannungen in einem Putsch gegen die bis dahin vom Norden dominierte Regierung. Zahlreiche Amtsträger – unter ihnen auch Premierminister Balewa – fielen dem Putsch zum Opfer. Militärs schlugen den Aufstand schließlich nieder, ergriffen dann aber selbst die Macht. Die neue Militärregierung unter Johnson Aguiyi-Ironsi war im Süden des Landes populär; im Norden Nigerias sah man in den Generälen allerdings nur den großen Einfluss der Igbo, einer Volksgruppe im Südosten.
Das Misstrauen der Nordnigerianer schlug am 24. Mai 1966 in Zorn um, als Ironsi das Dekret 34 erließ, mit dem die Bundesstaaten aufgelöst und die Regierung in Lagos gestärkt werden sollte. Es kam zu Gewaltausbrüchen gegenüber der Igbo-Minderheit im Norden und bald auch zu einem weiteren Coup: Am 29. Juli stürzten Offiziere aus dem Norden die Regierung und töteten Ironsi. Sein Nachfolger wurde Yakubu Gowon (1966 –1975), der selbst nicht am Putsch beteiligt gewesen war, sich aber nun daranmachte, Ironsis Entscheidungen zu revidieren.





