Vor der Villa Bauli an der Bucht von Neapel hatte sich eine Menschenmenge versammelt. Das Gerücht ging um, dass Agrippina (15/16–59), die Mutter Kaiser Neros (54–68), welche in diesen Tagen in der Villa residierte, bei einem Schiffsunglück ums Leben gekommen sei. Sorge und Bestürzung wandelten sich in Freude, als bekanntwurde, dass Agrippina überlebt hatte. Da tauchten plötzlich Bewaffnete auf. Angeführt wurden sie von Anicetus, einem ehemaligen Tutor Neros. Er war gekommen, um zu Ende zu bringen, was ihm kurz zuvor misslungen war. Die Männer verschafften sich gewaltsam Zutritt und machten Agrippina ausfindig. Diese wusste, dass ihr Ende gekommen war. Sie entblößte ihren Unterleib und rief: „Stich hier zu, Anicetus; stich hier zu, denn dieser Leib gebar Nero.“ Die Mörder zögerten nicht.





