Statt Kirchtürmen und öffentlichen Gebäuden zierten Anfang des 20. Jahrhunderts zunehmend auch dunkle Rauchschwaden, Zechen und glühende Hochöfen die Ansichtskarten der Ruhrstädte. Die Industrieanlagen standen für wirtschaftlichen Aufschwung und Fortschritt.
Genau in dieser Zeit, zwischen 1898 und 1905, wurde in Dortmund-Bövinghausen die Zeche Zollern II/IV erbaut. Sie sollte als Musterzeche der ganze Stolz ihrer Inhaberin, der Gelsenkirchener Bergwerks-AG werden. Der Name bezog sich – wie bei anderen Industrieanlagen im Ruhrgebiet auch – auf die preußische Herrscherdynastie der Hohenzollern.
Heute ist die Zeche Teil des Industriemuseums des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL). Beim Betreten des Geländes kann man die frühere Bedeutung des Kohlebergbaus noch immer erahnen: Die architektonische Inszenierung erinnert an eine Schlossanlage. Eine kleine Allee führt auf einen zentralen Ziegelbau mit Schmuckgiebel und Türmchen zu: die sogenannte Alte Verwaltung. Rings herum finden sich die früheren Pferdeställe, eine Werkstatt sowie ein lang gestreckter Trakt mit Lohnhalle, Waschkaue und Lampenstube.
Hinter dem Verwaltungsgebäude erstreckt sich – flankiert von den zwei alles überragenden Fördergerüsten aus Stahl – die Maschinenhalle. Ihr riesiger Innenraum ist hell und lichtdurchflutet. Die bunten Glasfenster über dem Portal erinnern an Kirchenbauten. Gerade die Schönheit der Maschinenhalle rettete die Zeche Zollern nach ihrer Stilllegung 1966 vor dem Abbruch. Der Ruhrbergbau erlebte seit Ende der 1950er Jahre eine Krise: Erdöl ersetzte als Energieträger das Grubengold immer mehr, außerdem waren Kohleimporte aus dem Ausland günstiger als die Ruhrkohle.
Nachdem die Fördergerüste (später wieder ersetzt) und der Kühlturm bereits abgerissen waren, sollte auch die Maschinenhalle zu Schutt und Asche werden. Doch es gab Protest – und 1969 wurde die Zeche als erstes Industriebauwerk Deutschlands unter Denkmalschutz gestellt. Seit 1979 ist sie als Museum für Besucher geöffnet.
Heute erzählt die Dauerausstellung von der Geschichte des Bergbaus im Ruhrgebiet. Dabei scheut sie sich nicht, neben der Schönheit der Gebäude auch die harte Realität zu zeigen: die Arbeitsbedingungen.
Schon direkt hinter dem Eingang erklärt eine Infotafel: Jeder Bergmann musste zu Schichtbeginn seine persönliche Marke mit einer individuellen Nummer mitnehmen. Bei Schichtende wurde sie wieder zurückgegeben. Fehlte abends eine Marke, war klar: Der Kumpel muss gesucht werden, denn im schlimmsten Fall war er unter Tage verunglückt.
Durch Gasexplosionen, Grubenbrände, Stein- und Kohlefall starben in den 64 Betriebsjahren 161 Menschen in der Schachtanlage von Zollern II/IV – ihnen ist heute die Dauerausstellung „Ich hatte einen Kameraden“ gewidmet.





