Die nächste Generation tut sich schwer - wissenschaft.de | DAMALS
DAMALS PlusGeschichte & Archäologie
Die nächste Generation tut sich schwer
Erst nachdem Adolf von Nassau als Nachfolger Rudolfs I. gescheitert war, kam mit Albrecht I. ein weiterer Habsburger auf den Thron. Doch dieser tat sich schwer, die Machtstellung seiner Familie zu sichern – dazu trug auch sein frühes Ende durch die Hand eines Mörders bei.
Sie haben noch 2 von 3 kostenlosen Artikeln übrig1/3
Albrecht kam am 3. Juli 1255 zur Welt. Damals war sein Vater noch nicht König, und das Reich befand sich in der Krisenzeit des Interregnums. Im Gegensatz zum populären Vater, Rudolf von Habsburg, dessen berühmte Grabplatte im Speyerer Dom für eine feste Vorstellung sorgt, wissen wir über das Aussehen Albrechts nur wenig. Überliefert ist jedoch, dass er keine Schönheit gewesen sein soll. Ein bairischer Chronist der Zeit schreibt dazu: „Er war ein gepaurischer man an der personne und het neur ain auge und gar einen unwirdlichen anplich.“
Wir wissen sogar, wie es zum hier angesprochenen Verlust des Auges kam: 1295 fürchtete Albrecht, vergiftet worden zu sein. Den medizinischen Vorstellungen der Zeit zufolge ließ er sich kopfüber aufhängen, damit das Gift abfließen könne. Das hatte allerdings nur zur Folge, dass im Kopf ein Blutstau entstand, der ein Auge erblinden ließ. Das Auge musste später möglicherweise sogar entfernt werden.
Durch seine Heirat tritt er ins Licht der Geschichte
Albrechts Mutter, Gertrud von Hohenberg (gest. 1281), stammte aus einem schwäbischen Adelsgeschlecht, sie gilt als „Stammmutter“ der Habsburger. 1253 hatten Rudolf und Gertrud geheiratet. Über Albrechts Jugend ist nur wenig bekannt. Erst 1274, anlässlich seiner Heirat mit Elisabeth, einer Tochter Meinhards II. (1258–1295), des Grafen von Görz und Tirol, tritt er ins Licht.
Graf Meinhard, der als der Schöpfer des Landes Tirol gilt, zählt zu den wichtigsten Fürstengestalten der Zeit. Eine Verheiratung der beiden Familien war ein geschickter politischer Schachzug. Nachweislich zwölf Kinder gingen aus der Ehe hervor, darunter Friedrich der Schöne, der später selbst römisch-deutscher König (1314–1330) werden sollte.
Wie wir bereits gesehen haben, wurde Albrecht 1281 zunächst mit seinem Bruder Rudolf als Reichsverweser in Österreich und der Steiermark eingesetzt. Ein Jahr später erhielten sie die beiden Herzogtümer regulär als Lehen. Durch die sogenannte Rheinfeldener Hausordnung wurde Albrecht schließlich zum alleinigen Landesherrn bestimmt. Als sein Vater Rudolf I. 1291 starb, trat Albrecht sein Erbe auch im habsburgischen Hausbesitz am Oberrhein und in Schwaben an.
Dennoch: Die Hoffnung Rudolfs, noch zu seinen Lebzeiten einen seiner Söhne zum Nachfolger gewählt zu sehen, war am Widerstand der Kurfürsten gescheitert. Am 5. Mai 1292 kürten diese stattdessen Adolf von Nassau zum neuen römisch-deutschen König. Die Kurfürsten haben damals längere Zeit gezögert. Sie entschieden sich – aus Furcht, die Zentralgewalt könnte zu mächtig werden – bewusst nicht für den Königssohn, sondern für einen standesgleichen Grafen.
Die Wahl Adolfs war vor allem im Kölner Interesse. Adolf, der Schwager des Kölner Erzbischofs, war der Herr einer mittelrheinischen Grafschaft, die durch die Lahn zweigeteilt wurde. Albrecht fand sich mit der Neuwahl ab, nicht zuletzt, weil ihn die politischen Umstände dazu zwangen: Aufstände in seinen Ländern banden seine Kräfte. Mehr und mehr jedoch vermochte Albrecht seine Stellung als Landesherr zu festigen. 1295 erhob sich der österreichische Adel vorerst zum letzten Mal. 1297 söhnte sich
Albrecht mit Erzbischof Konrad von Salzburg aus.
Mehr aus Geschichte & Archäologie
Weitere aktuelle Artikel aus der Rubrik Geschichte & Archäologie.
Nach wenigen Jahren schon befand sich das Königtum Adolfs von Nassau in der Krise. Eine gegnerische Stimmung im Kurfürstenlager machte sich breit; angeführt wurde die Fronde vom Erzbischof von Mainz. Am 23. Juni 1298 war es dann so weit: Die Kurfürsten setzten Adolf als „untauglich und unnütz“ ab – freilich ohne die Mitwirkung der Pfalz und bei Zurückhaltung Triers. Am selben Tag wurde Albrecht von den Kurfürsten zum neuen römisch-deutschen König gewählt.
Der Vorgang der Absetzung ist nicht leicht zu deuten. Folgte aus dem Wahlrecht notwendigerweise ein Absetzungsrecht? Ein Schreiben Herzog Albrechts II. von Sachsen vom selben Tag an eine unbekannte Reichsstadt scheint die Dinge in diese Richtung zu bringen: Die Fürsten, denen das Recht zustehe, einen römischen König zu wählen, hätten dem Herren Adolf von Nassau, weil er
seiner hohen Würde nicht gewachsen gewesen sei, das Königtum durch einmütigen Urteilsspruch entzogen. Damit seien auch die Bürger von ihrem Treueid, den sie Adolf geleistet hätten, gelöst.
Neuere Forschungen stellen nüchtern fest, dass im ausgehenden 13. Jahrhundert nicht einmal ansatzweise eine gestaltete Reichsverfassung vorhanden gewesen sei, in der ein kurfürstliches Absetzungsrecht hätte verankert sein können. Schonungslos hat es der Historiker Peter Moraw (1935–2013) auf den Punkt gebracht: Mit der Absetzung von 1298 seien die Kurfürsten „zu Rebellen und Eidbrechern“ geworden.
Es kam zur Schlacht zwischen den beiden Königen. Jeder glaubte, der richtige, der echte König zu sein. Schon lange waren die gegnerischen Heere aufeinander zu marschiert. Adolf war, aus dem Wormser Raum kommend, mit seinen Kontingenten aus dem Taunusgebiet, der Pfalzgrafschaft, Franken, Niederbayern, dem Elsass und St. Gallen zum Entsatz der Burg Alzey vorgerückt.
Albrecht wich zunächst aus, stellte sich dann aber auf dem sogenannten Hasenbühl bei Göllheim in der Pfalz, ungefähr 20 Kilometer südlich von Alzey. Die Position war gut gewählt. Was am 2. Juli auf dem Schlachtfeld genau passierte, entzieht sich unserer Kenntnis. Sicher ist nur, dass Adolf, der ungestüm angegriffen haben muss, durch den Raugrafen Georg erschlagen wurde.
Noch heute heißt die Straße in Göllheim „Am Hasenbühl“. Die Königinwitwe Imagina ließ am Ort des Todes ihres Gatten ein frühgotisches Kreuz aufrichten, das sich, seit dem 19. Jahrhundert im Inneren einer Kapelle, bis heute erhalten hat.
Nach der Schlacht verzichtete Albrecht darauf, sofort als König in Erscheinung zu treten. Er ließ stattdessen in Frankfurt am Main die Kurfürsten zum zweiten Mal wählen (27. Juli 1298). Wenige Wochen danach, am 24. August, wurde Albrecht in Aachen am rechten, von der Tradition vorgegebenen Ort gekrönt. Das römisch-deutsche Königtum wurde damit von den mittelrheinischen Territorien in die südöstlichen Territorien des Reichs „zurückverlagert“.
Albrecht strebt ein Bündnis mit dem französischen König an
Die zehn Herrschaftsjahre Albrechts als König waren keine Zeit des Stillstands, im Gegenteil, sie waren voller Projekte, Pläne und Ideen. Bereits als Herzog von Österreich hatte Albrecht eine Verbindung mit König Philipp IV. dem Schönen (1285–1314) von Frankreich angebahnt. Nun, als König, war ihm daran gelegen, die Verbindung durch ein reguläres Bündnis zu festigen.
Im Dezember 1200 wurden im Rahmen einer Zusammenkunft beider Herrscher in Quatrevaux zwischen Toul und Vaucouleurs die Verhandlungen zum Abschluss gebracht. Vereinbart wurde die Heirat Rudolfs, des ältesten Sohns Albrechts, mit Blanka (gest. 1305), der Schwester Philipps des Schönen. Im Gegenzug versprach Albrecht Reichsrechte in der Freigrafschaft Burgund und im westlichen Teil der Grafschaft Bar. 1300 wurde die Hochzeit vollzogen.
Das Bündnis Albrechts mit dem mächtigen französischen König war für die Erzbischöfe von Köln und Mainz ein willkommener Anlass zum Protest – sie fürchteten um ihre Macht und ihre hervorgehobene Stellung. Doch immer wieder hat es Albrecht verstanden, die Kurfürsten, die unruhigen Wächter über die politischen Gewichte im Reich, zu besiegen oder zu beugen.
Wie sein Vater Rudolf I. von Habsburg setzte auch Albrecht Landvögte ein, die als Vertreter des Königs unberechtigt angeeignete Reichsgüter ausfindig machen sollten. Auch für Albrecht waren diese Landvogteien ein wichtiges Instrument zur „Revindikation“, das heißt zur Rückführung entfremdeten Reichsguts.
Rudolf hatte das gesamte Reichsgut in solche Verwaltungseinheiten aufteilen lassen. Und er hatte den Vögten weitreichende Befugnisse erteilt, mit deren Hilfe eine effektive Verwaltung des Reichsguts möglich war. In diesem Sinn fuhr Albrecht mit diesen Maßnahmen fort.
Besonders wichtig erscheint die Bildung der Nürnberger Landvogtei (1301). Zum Landvogt eingesetzt wurde hier der Thurgauer Dietegen von Kastel. Dietegen und sein Wirken stehen beispielhaft für die besonders erfolgreiche Politik der Wiedergewinnung dieses Guts in den Regierungszeiten Albrechts I. Der Nürnberger Vogtei kam eine zentrale Rolle in der Politik des Königs zu: Sie sollte gleichsam die Brücke bilden zwischen der oberschwäbischen Landvogtei und dem thüringisch-meißnischen Königsland. Die Forschung vermutet, dass mit Hilfe dieser Vogtei bzw. um sie herum ein Reichsterritorium entstehen sollte, das vom Thüringer Wald im Norden bis zur Donau im Süden reichte.
1306 starb das böhmische Herrschergeschlecht der Přemysliden in männlicher Linie aus. Albrecht versuchte, Böhmen für sein Haus zu gewinnen. Er setzte Rudolf, seinen Sohn, als böhmischen König durch. Aber Rudolf starb bereits 1308.
Ebenfalls im Fokus des königlichen Interesses stand Thüringen. Schon lange gab es Probleme zwischen der Familie der Wettiner und der Zentralgewalt um die Herrschaft in Thüringen. Nachdem Albrecht der Entartete, Landgraf von Thüringen und Markgraf von Meißen (1240–1314 oder 1315), sein dem König gegebenes Wort, die Landgrafschaft Thüringen nach seinem Tod an das Reich zurückzugeben, gebrochen und seinen Sohn Friedrich den Freidigen (1257–1323) 1307 als Erben über die Landgrafschaft eingesetzt hatte, spitzte sich der Konflikt zu.
Der Griff nach Thüringen misslingt dem Habsburger
Albrecht I. entschloss sich zu einem Feldzug gegen die Wettiner. Am 31. Mai 1307 wurde das Heer Albrechts allerdings bei Lucka (bei Altenburg) von Friedrich dem Freidigen und seinem Bruder Diezmann entscheidend geschlagen. Gemünzt auf die starken schwäbischen Kontingente im Heer des Königs, kam in Thüringen das Spottwort auf: „Is gehit dir alsso den Swabin vor Lucka.“ Lucka war ein entscheidender Wendepunkt in der Geschichte des Königtums in dieser Region Deutschlands. Auch Albrechts Nachfolger auf dem römisch-deutschen Königsthron nahm die Versuche des Königtums, Thüringen für die Reichsgewalt zu gewinnen, nicht mehr auf.
Ein wichtiger Protagonist im Mächtespiel der Zeit war der Papst. Auf der cathedra Petri saß damals, kurz vor dem Weggang der Päpste nach Avignon (1309), Bonifaz VIII. (1294– 1303), einer der machtbewusstesten Päpste des Mittelalters überhaupt. Vorstellungen von einem Papsttum, das auch in die Geschicke der Welt hineinregieren dürfe, verfocht er so scharf wie niemand vor ihm. Was das Verhältnis zu Albrecht anbelangt, so erkannte er das Königtum des Habsburgers nicht nur an, sondern suchte aus taktischen Gründen auch universale Rechtspositionen, im Klartext: das Konzept des Kaisertums wieder aufleben zu lassen. Doch zu einer Kaiserkrönung Albrechts sollte es, wie schon bei seinem Vater, nicht kommen. Der erste Habsburger, der als römisch-deutscher König zum Kaiser gekrönt werden sollte, war Friedrich III. im Jahr 1452.
Der Winter 1307/08 sollte, nach der Niederlage von Lucka, im Zeichen einer Regeneration der Kräfte stehen. Da geschah die Katastrophe: Albrecht wurde von seinem Neffen Johann, einem Sohn Rudolfs, der aufgrund der Rheinfeldener Hausordnung auf Österreich und die Steiermark hatte verzichten müssen, ermordet. Johann – später „Parricida“, der Verwandtenmörder, genannt – war der Überzeugung, sein königlicher Onkel habe ihn um sein Erbe betrogen.
Die Szene war hochdramatisch: Am 1. Mai 1308 mussten der König und sein Gefolge bei dem Ort Brugg, ganz in der Nähe der heimatlichen Habsburg, den Fluss Reuss überqueren. Es gelang Johann, mit ein paar Gesinnungsgenossen – Rudolf von Balm, Rudolf von Wart und Walter von Eschenbach – mit Albrecht allein in den Kahn zu steigen. Johann und seine Mitverschwörer waren die Ersten am anderen Ufer. Das Gefolge Albrechts, das noch am jenseitigen Ufer wartete, musste hilflos mit ansehen, wie Johann Albrecht niederstach. Die Attentäter flohen.
Als Albrechts Gefolge schließlich übergesetzt hatte, lag der König bereits im Sterben. Der Bischof von Straßburg, einer der Gefolgsleute des Königs, hielt, sich ins Gras kniend, den König fest. Doch es war zu spät: Albrecht war tot. Es gab neben dem allgemeinen Entsetzen auch böse Stimmen. An Albrecht, der seinem Neffen das Erbe aus formalen Gründen vorenthalten hatte, habe sich das Wort des Evangelisten erfüllt, so der Chronist Mathias von Neuenburg: „Mit dem Maß, mit dem ihr messet, wird euch gemessen werden.“
Zum Gedenken an diese Tat stiftete die Königswitwe Elisabeth ein Klarissenkloster, das „Königsfelden“ genannt wurde. Von Beginn an gehörte zum Kloster auch ein Franziskanerkonvent, der für die Seelsorge zuständig sein sollte.
Albrecht I. wurde zunächst im Zisterzienserkloster Wettingen und später an der Seite seines Vaters im Speyerer Dom bestattet. Mit unermüdlicher Energie hatte er versucht, das Werk seines Vaters fortzusetzen. Doch am Ende war er, sowohl was die Königsherrschaft als auch was die dynastische Machtpolitik betrifft, gescheitert.
11. Juni 2026
Die erste Fußballweltmeisterschaft fand 1930 in Uruguay statt. Aber warum eigentlich gerade dort? Bis dahin hatten die großen europäischen…
Geschichte & Archäologie
Rätsel um kopflose Skelette geht weiter
9. Juni 2026
Kopflose Skelette aus einem jungsteinzeitlichen Siedlungsgraben in der Slowakei geben Archäologen weiterhin Rätsel auf. Denn warum Menschen…
Geschichte & Archäologie
Mammutfund erweist sich als steinzeitliches Cold Case
8. Juni 2026
Cold Case: Ein bei Regensburg entdecktes Mammutskelett hat sich als wichtiges Zeugnis der menschlichen Frühgeschichte entpuppt. Denn…