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Die neuen Nachbarn der Habsburger
Mit Vladislav und dessen Sohn Ludwig sicherten sich die Jagiellonen auch die Herrschaft über Böhmen und Ungarn. Eheschließungen stabilisierten die Beziehung zu den Habsburgern. Zum Krieg kam es dagegen mit den Osmanen.
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Im alten Böhmen, der heutigen Tschechischen Republik, ist einer jener Könige, die sonst vermutlich noch vergessener wären, als sie es ohnehin sind, in einem der bedeutendsten und eindrucksvollsten Bauwerke des 15. Jahrhunderts präsent: im Vladislav-Saal der Prager Burg. Benannt ist er nach dem Jagiellonen Vladislav (König von Böhmen 1471–1516, seit 1490 auch König von Ungarn).
Wer baut, bleibt – und, was meistens vergessen wird: ist in gewisser Form immer präsent. Mittelalterliche Herrscher waren viel unterwegs. Ihre prachtvollen Bauten symbolisierten trotz ihrer Abwesenheit den permanenten Machtanspruch. Gerade im Fall Böhmens und der später mit ihm in Personalunion vereinten Königreiche Ungarn und Kroatien war der König oft auf Reisen.
Mit den Bauwerken in Prag knüpfen die Jagiellonen an berühmte Vorgänger an
Auch die Architektur selbst konnte Botschaften aussenden, beim Vladislav-Saal sind es gleich drei. Erstens war er eine Erweiterung des Palasts Karls IV., des römisch-deutschen Königs (1346–1378), böhmischen Königs (seit 1347) und Kaisers (seit 1355) aus dem Haus Luxemburg. Vladislav stellte sich ganz bewusst in die Tradition dieses bedeutenden Vorgängers. Zweitens zeigt der Vladislav-Saal, dass man die zeitgenössische Kunst- und Denkrichtung der italienischen Renaissance kannte, und zwar zu einem so frühen Zeitpunkt wie sonst nirgends in Mitteleuropa. Und drittens kam hier eine ganz eigene, mitteleuropäische Formensprache zum Einsatz. Das zeigt sich besonders in dem kühnen Schlingrippengewölbe, mit dem der Architekt Benedikt Ried die Decke des Raums in einer bis dahin ungekannten Art und Weise in Bewegung versetzte.
Auch in dem der Prager Burg benachbarten Veitsdom war Vladislav stets präsent – in Form seiner ebenfalls von Benedikt Ried entworfenen Herrscherempore. Sie war vom Palast her direkt zugänglich. Das spektakuläre Astwerkgewölbe greift im Sinn der Renaissance die Ideen des römischen Architekturtheoretikers Vitruv auf, laut dem der Ursprung allen Bauens in einer der Natur entnommenen „Urhütte“ liegt.
Man ist geneigt, einem Herrscher, der solches Bauen initiiert, hohes Selbstbewusstsein zu attestieren. Doch die ältere Geschichtsschreibung sah dies freilich ganz anders. Sie bewertete Vladislav als wankelmütig und unentschlossen, von seinen Beratern abhängig.
In Ungarn nannte man ihn „König Dobrze“, also jemand, der zu allem dobrze (gut) in der Bedeutung von „ja und Amen“ sagte. In Zeiten, in denen das Herrscherideal verlangte, kühn und machtvoll aufzutreten, nicht gerade ein Kompliment.
Zudem war die Geschichtsschreibung bis weit ins 20. Jahrhundert hinein parteiisch – in Ungarn rühmte man den politischen Rivalen Matthias Corvinus, den Vorgänger und Kontrahenten auf dem Königsthron. Matthias war zwar ein Emporkömmling, aber Ungar. In Böhmen war alles noch komplizierter. Bis heute gilt hier eigentlich nur Karl IV. als großer Herrscher – noch im 21. Jahrhundert wurde er in einer Umfrage als bedeutendster Tscheche aller Zeiten bewertet.
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Doch all das wird dem Jagiellonen Vladislav und anderen Herrschern der Zeit nicht gerecht. Die historischen Bedingungen, mit denen sie umzugehen hatten, waren komplex, ja schwierig. Die neuzeitlichen Ideale, die einen Herrscher an seiner Machtfülle und dann vor allem auch seiner „Nationalität“ maßen, gelten heute als unhistorisch.
Man muss sich also den beiden polnischen Herrschern auf den Thronen von Böhmen und Ungarn umsichtig nähern. Wer waren Vladislav und sein Sohn Ludwig? Wie kamen sie überhaupt in ihre Position? Was konnten sie unter den gesellschaftlichen Bedingungen ihrer beiden Länder in ihrer Zeit erreichen?
Als im Jahr 1471 der 15-jährige polnische Königsohn Władysław zum König von Böhmen gewählt und am27. Mai in Kuttenberg (Kutná Hora) bestätigt wurde – wir übernehmen nun die tschechische Schreibweise „Vladislav“ –, hatte das Land schwierige Jahre hinter sich. Zwar lagen die „hussitische Revolution“ und die Hussitenkriege Jahrzehnte zurück, aber Vladislavs Vorgänger, König Georg von Podiebrad (1458–1471), der zu den Utraquisten, den gemäßigten Hussiten zählte, war von Papst Paul II. 1464 zum Ketzer erklärt und 1466 exkommuniziert worden.
Böhmische Magnaten suchen eine Alternative zu Matthias Corvinus
Paul II. rief zu einem Kreuzzug gegen das hussitisch-reformierte, der römischen Kirche abtrünnige Böhmen auf und wollte zugleich den Widerstand gegen die osmanische Expansionspolitik stärken. Weltlicher Anführer wurde der machtbewusste ungarische König Matthias Corvinus (1458– 1490), der aber auch vom größtenteils katholischen böhmischen Hochadel unterstützt wurde. Dieser war König Georg, der seine Macht zu großen Teilen auf den Niederadel und die Städte gründete, wenig freundlich gesinnt.
Am 28. November 1465 schlossen sich die wichtigsten böhmischen Magnaten zur Allianz von Grünberg zusammen und bemühten sich, König Kasimir IV. von Polen (1447–1492) zum König von Böhmen zu gewinnen und somit Georg abzusetzen.
Doch der Jagiellone Kasimir IV. hatte sich bei früherer Gelegenheit, als es dann zur Wahl Georgs gekommen war, bereits einmal um die böhmische Krone beworben – und war wohl auch deswegen nun nicht geneigt, sich wählen zu lassen. Vielleicht hatte er aber, wie auch andere Kandidaten, wenig Lust, sich selbst in die böhmischen Händel einzumischen.
Erst 1468 gelang es der Allianz von Grünberg, Matthias Corvinus zum König zu proklamieren, der umgehend erfolgreich Mähren angriff und in Böhmen einmarschierte.
Allerdings geriet das ungarische Heer bei Vilémov östlich von Prag in eine ausweglose Situation und wurde nur durch ein Vieraugengespräch zwischen Matthias und seinem früheren Schwiegervater Georg aus der misslichen Lage befreit. Man kannte sich gut. Matthias hatte, um seinen Aufstieg vom Niederadel in den königlichen Rang abzusichern, die Unterstützung Georgs nicht gescheut, ebenso wenig die Ehe mit einer utraquistischen Prinzessin. Allerdings war die erst 14-jährige Katharina 1467 infolge einer Geburt verstorben.
Matthias Corvinus ließ sich von seinem Ziel nicht abbringen: Er dachte weiter an eine Übernahme der Krone Böhmens. Doch dies wollte Georg um jeden Preis verhindern. Als der offenkundig weniger aggressive und politischer denkende Part der Auseinandersetzungen verzichtete er auf die Thronfolge der eigenen Familie und somit auf ein utraquistisches Königtum.
Vielmehr empfahl er dem böhmischen Landtag, den ältesten Sohn Kasimirs IV., eben jenen Vladislav aus dem Hause der Jagiellonen, zu seinem Nachfolger zu bestimmen – also einen katholischen König. Vermutlich hatte Georg gehofft, noch etwas länger zu leben, doch er starb bereits 1471 im Alter von 51 Jahren.
So wurden 1471 zwei böhmische Könige bestätigt. Matthias, der auf die Unterstützung des Adels in Mähren und Schlesien und vor allem auf den Papst zählen konnte, erhielt seine Krone durch den päpstlichen Legaten in Jihlava (Iglau) –allerdings ohne die für die Legitimation so wichtigen echten Insignien. Vladislav ließ sich nach seiner Bestätigung durch den Landtag in Kuttenberg am 22. August 1471 im Prager Veitsdom krönen.
Es kam umgehend zum Krieg zwischen den Konkurrenten. Vladislav erkannte 1474 die Herrschaft von Matthias über die böhmischen „Nebenländer“ Mähren, Schlesien und Lausitz an. 1479 einigten sich beide Seiten im Frieden von Olmütz endgültig über die Verteilung der Macht: Matthias herrschte in den Nebenländern, Vladislav in Kernböhmen; sollte einer der beiden sterben, würde der Überlebende die gesamte Herrschaft erben. 1490 starb Matthias als erster, er wurde nur 47 Jahre alt.
Die Vor- und Nachteile dynastischer Verbindungen
Vladislav hatte aber nicht nur das Glück des Überlebenden. Dass er sich durchsetzen konnte, lag auch an den älteren Ansprüchen seiner Familie: Seine Mutter war Elisabeth von Österreich (1435/36–1505), die Tochter des römisch-deutschen Königs Albrecht II. aus dem Haus Habsburg. Dieser war zwar nur ein Jahr lang (1438/39) König des Heiligen Römischen Reichs, Böhmens und Ungarns gewesen, aber er hatte Elisabeth geheiratet, die Erbtochter Sigismunds (römisch-deutscher König 1410–1437, seit 1433 Kaiser), des letzten luxemburgischen Herrschers, und stand somit auch in der Erblinie Böhmens.
Zu den oben bereits beschriebenen baulichen Projekten Vladislavs in Prag zählte auch die Umgestaltung des heiligsten Ortes des böhmischen Königsreichs, der unter Karl IV. errichteten Wenzelskapelle im Veitsdom. Hier ließ er die Wandmalereien aus der Zeit Karls IV. durch einen neuen Bilderzyklus der Wenzelslegende mit zeitgenössische Anspielungen ersetzen.
Dieser sehr bemerkenswerte künstlerische Eingriff war aber erst möglich, als Vladislavs Stellung in Böhmen durch die Geburt eines Thronfolgers im Jahr 1506 gesichert war. Dass es überhaupt dazu kam, grenzte fast schon an ein Wunder. Der König hatte sich zu Beginn seiner Regierungszeit in den Fallstricken einer politischen Eheschließung verheddert: Allzu rasch hatte er 1476 die junge Erbin des schlesischen Herzogtums Glogau-Krossen geheiratet, um dieses Gebiet seinem ungarischen Widersacher Matthias abzunehmen.
Jene Barbara (1464–1515) war die Tochter des Markgrafen Albrecht Achilles von Brandenburg (1414– 1486), der sich eine Eheschließung mit königlichem Haus nicht entgehen lassen wollte. Entsprechend ablehnend reagierte der Schwiegervater, als Vladislav, der das Interesse an seiner Braut bald verloren hatte, auf eine Scheidung drängte.
Vladislav behauptete nun, es habe gar keine Eheschließung, sondern nur eine Verlobung gegeben. Da aber der Bischof von Lebus die Trauung vollzogen hatte, war das wenig glaubwürdig.
Leidtragende dieser wenig komischen Posse war Barbara, die schließlich nach Jahren aufbegehrte und selbst die Pläne ihrer männlichen Verwandten zu durchkreuzen trachtete, indem sie beim Papst um Ehescheidung bat und sich heimlich mit einem nicht standesgemäßen fränkischen Adligen verlobte. Dies ließ ihr die brandenburgische Verwandtschaft nicht durchgehen, sie setzte Barbara auf der Plassenburg bei Kulmbach fest.
Allerdings konnte jetzt – nach 24 Jahren – endlich die Ehe zwischen Barbara und Vladislav geschieden werden. Er heiratete 1502 Anne de Foix-Candale (1484–1506), eine Cousine der französischen Königin Anne de Bretagne. Nun klappte es auch mit dem Nachwuchs: 1503 kam die Tochter Anna zur Welt; 1506 folgte Ludwig, der Kronprinz.
König Vladislav gelang es sehr rasch, seinen Sohn zum Thronfolger in Böhmen, dessen Nebenländern und Ungarn ernennen lassen. In Ungarn, wo Vladislav seit seiner Krönung nach Matthias’ Tod fast durchgängig residierte, hatten zwar die Landständeeinen Beschluss gefasst, dass kein Landfremder mehr König sein solle, doch er schaffte es, sich gegen Matthias Corvinus’ unehelichen Sohn Johann (1473–1504), der dem Vater im Amt hätte nachfolgen sollen, durchzusetzen. Die Abmachungen von 1479 blieben gültig.
Auch in Ungarn betätigte sich Vladislav als Baumeister. In Buda erweiterte er die Burg, die später leider weitgehend zerstört wurde. Jüngste deutsch-ungarische Forschungen haben gezeigt, dass auch hier ein dem Vladislav-Saal in Prag vergleichbarer Bau errichtet wurde.
Doppelhochzeit in Wien zwischen Jagiellonen und Habsburgern
Die Absicherung der Macht gelang auch durch Bündnisse. 1515 feierte man in Wien gleich zwei Vermählungen zwischen den Jagiellonen und den Habsburgern: Vladislavs Tochter Anna heiratete Ferdinand (I.), der später seinem Bruder Karl V. als Kaiser nachfolgte; Vladislavs Sohn Ludwig ehelichte die Habsburgerprinzessin Maria (1505–1558), die später als Statthalterin der Niederlande noch eine eigenständige politische Karriere machen sollte.
Im Jahr darauf, 1516, starb Vladislav, ein König des manchmal nicht glücklichen Taktierens, aber jedenfalls des Ausgleichs. Selbst katholisch, hatte er die Rechte der böhmischen Utraquisten respektiert.
Künstlerisch war seine Zeit durchaus eine Blütezeit. Ein Grund dafür war der wirtschaftliche Aufschwung in Böhmen und Ungarn. Die Region hatte die Folgen des päpstlichen „Hussiten-Kreuzzugs“ überwunden. Haupteinnahmequellen waren der Bergbau und die Verarbeitung der Bodenschätze.
Kuttenberg, gleichsam die zweite Hauptstadt Böhmens, florierte ebenfalls. Der Baumeister des Vladislav-Saals, Benedikt Ried, vollendete die dortige Barbarakirche. In Joachimsthal (Jáchymov) prägten die Grafen Schlick die berühmten Silbertaler.
Die aus der Zeit Vladislavs erhaltenen Kunstwerke sind wenig zahlreich, doch eindrucksvoll, insbesondere jene großartigen Renaissance-Altäre, die man von dem Passauer Hofbildhauer bezog, der mit den Initialen „IP“ signierte. Sie sind nur ein schwacher Abglanz all dessen, was vermutlich in den Kriegswirren des 17. Jahrhunderts und vor allem in der darauf folgenden Rekatholisierung und Barockisierung Böhmens unterging. Noch weniger Zeugnisse aus der Jagiellonen-Zeit blieben in Ungarn erhalten – hier hat der Sieg der Osmanen und ihre Herrschaft im größten Teil des Landes gründlich mit Kunst und Kultur des Mittelalters aufgeräumt.
Ludwig II. war erst zehn Jahre alt, als er das große Erbe antrat. Die Regierung übernahm in Ungarn ein Regentschaftsrat unter dem Magnaten Johann Zápolya, Wojwode von Siebenbürgen (1487–1540). Dieser hohe Verwaltungsbeamte war zwar der Schwager des polnischen Jagiellonen-Königs Sigismund, doch das Vertrauen des ungarischen Hofs und anderer Magnaten hatte er nicht.
Das Amt des Palatins, des höchsten Beamten im ungarischen Reich, wurde 1519 nicht Johann Zápolya, sondern Stephan Báthory zugesprochen. Im selben Jahr ernannte man Markgraf Georg von Brandenburg-Ansbach (1484–1543) zum Erzieher und Berater des jungen Königs. Georg war ein Sohn von Ludwigs Tante Sophia von Polen (1464–1512), die ihr Leben als Markgräfin in Ansbach verbracht hatte.
Sultan Süleyman besiegt Ludwig II. bei Mohács
Ungarn war zu dieser Zeit sozial gespalten: 1514 hatten die Bauern einen Aufstand gegen die magnatischen Herren gewagt – und den Kampf verloren. Danach wurden sie in die Erbuntertanenschaft gezwungen. Diese inneren Kämpfe und die Schwäche des Königs nutzte der osmanische Sultan Süleyman I., der Prächtige (1520–1566).
Bereits 1521, ein Jahr nach Beginn seiner Herrschaft, nahm Süleyman das strategisch wichtige Belgrad an der Donau ein. Und fünf Jahre später war die Gelegenheit günstig, in Zentralungarn einzumarschieren, wo es bei Mohács (im Süden des heutigen Ungarn) zur entscheidenden Schlacht kam. Die ungarischen Truppen waren von Beginn an chancenlos, zumal Johann Zápolya und seine siebenbürgischen Unterstützungstruppen ausblieben.
König Ludwig II. starb unter ungeklärten Umständen in den Wirren der Schlacht. Seine Leiche fand man zwei Monate später in einem Bach. Es wäre eine genaue historische Untersuchung wert, wie dieser Tod und das Verhalten Zápolyas, die in der Geschichtsschreibung sehr unterschiedlich gedeutet wurden, zu bewerten sind.
Zápolya hoffte jedenfalls nach der Schlacht, vom Tod des Königs zu profitieren und sich gegen den vertragsmäßigen Erben Ludwigs, den Habsburger Ferdinand, als König von Ungarn durchzusetzen. Tatsächlich wurden beide an unterschiedlichen Orten zu Königen gewählt. Während sich Zápolya der Herrschaft Süleymans unterstellte und seinen Herrschaftsschwerpunkt Siebenbürgen behielt, beherrschte Ferdinand die freien ungarischen Gebiete im Norden.
Kriegerische Auseinandersetzungen zwischen den beiden konkurrierenden ungarischen Herrschern wurden erst 1538 mit dem Frieden von Großwardein beendet, der festlegte, dass der Überlebende die Anteile des anderen erhalten sollte.
Nach Zápolyas Tod zeigte sich aber, wer die stärkste Macht im Staat und in der Region war: Süleyman der Prächtige übernahm die Herrschaft über große Teile Ungarns, die bis zur habsburgischen Rückeroberung Ende des 17. Jahrhunderts osmanisch blieben.
Die Herrschaft der Jagiellonen Vladislav und Ludwig in Böhmen und Ungarn war nicht fragil, weil sie schwache Persönlichkeiten waren. Sie taktierten und agierten nach Kräften. Herrschaft war grundsätzlich fragil in einer Zeit, in der sich in einer stark vom konkurrenzfreudigen Adel dominierten Gesellschaft zugleich der Niederadel und die Stadtbürger in Vertretungen organisierten. Zudem sorgten konfessionelle Gegensätze und die Ausbildung nationaler Identitäten für Zündstoff.
Als auf diese komplexen und widersprüchlichen Strukturen die starke Macht der Osmanen von außen militärischen Druck ausübte, führte der Weg fast unweigerlich in die Katastrophe von Mohács, deren historische Bedeutung im westlichen Europa heute allzu wenig präsent ist.
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