Mit der 1066 erfolgten Eroberung Englands durch den normannischen Herzog Wilhelm I., zunächst der Bastard, später aber der Eroberer genannt, wurde dort die Herrschaft der Angelsachsen abgelöst. Durch die neue anglo-normannische Oberschicht wurde bald eine enge Verbindung zwischen England und der Normandie hergestellt. Die Fähigkeit der Normannen, sich in kulturell für sie fremde Umgebungen zu integrieren, zeigte sich besonders bei der Errichtung eines neuen, ganz Süditalien und Sizilien umfassenden Königreichs Sizilien unter südlicher Sonne.
Besonders interessant sind Simeks Erörterungen über die mit der Geschichte der Normannen verbundenen Mythen, bezogen etwa auf die Entstehung der Normandie oder die Kolonisation Islands und Grönlands. Auf Mythen geht auch die angeblich die Identität der Normannen charakterisierende, an Brutalität grenzende „Wildheit“ und skrupellose „Schlauheit“ zurück.
Nicht immer zuverlässig sind allerdings die den normannisch-staufischen Süden betreffenden Ausführungen Simeks: so etwa, wenn übersetzungen arabischer Werke ins Lateinische, die aus dem 13. Jahrhundert stammen, ins 12. Jahrhundert vorverlegt werden oder wenn die Rede davon ist, dass der staufische Kaiser Heinrich VI. 1194 Sizilien in eine „Erbmonarchie“ habe umwandeln wollen, während das sizilische Königreich bekanntlich bereits seit seiner Gründung durch Roger II. (1130) eine solche war.
Störend ist auch eine Reihe von Ungenauigkeiten, wie die, dass Friedrich II. in „Oberitalien“ (statt in Mittelitalien) geboren sei und die ersten Lebensjahre in Spoleto (statt Foligno) verbracht habe. Ebenso die Angabe, die Normannen hätten in der Schlacht bei Civitate (1053) „auf schweren Schlachtrössern“ gekämpft, wo sie doch in Wirklichkeit kleinere und schnelle Pferde bevorzugten.
Rezension: Prof. Dr. Hubert Houben
Rudolf Simek
Die Geschichte der Normannen
Von Wikingerhäuptlingen zu Königen Siziliens
Verlag Philipp Reclam jun., Stuttgart 2018, 280 Seiten, € 22,–





