Die Entwicklung des preußischen Militärs im 18. und 19. Jahrhundert stand im Mittelpunkt der Jahrestagungen der Arbeitsgemeinschaft zur preußischen Geschichte 2002 bzw. 2004. Nun liegen die überarbeiteten Ergebnisse der beiden Tagungen auch im Druck vor. In wohltuender wissenschaftlicher Nüchternheit präsentieren sie den aktuellen Forschungsstand zu dem Themenkomplex, fernab der aufgeregten Debatten um preußischen Militarismus oder dem Loblied auf preußische Tugenden. Dabei gilt ein besonderer Fokus natürlich König Friedrich Wilhelm I., der für Peter Baumgart allerdings weit mehr war als ein bloßer Soldatenkönig. Aber auch der alte Dessauer wird von Michael Rohrschneider mit einem umfangreichen Aufsatz gewürdigt und nicht nur als preußischer Exerziermeister mit einer Fußnote gewürdigt. Darüber hinaus untersucht Bernhard R. Kroener Rolle und Bedeutung des Offizierskorps in Frankreich, Österreich und Preußen, Heinz Stübig wendet sich den preußischen Heeresreformern Berenhorst, Bülow und Scharnhorst zu… Im Mittelpunkt des zweiten Buchteils steht das Verhältnis zwischen bewaffneter Macht und ziviler Gesellschaft im 19. Jahrhundert. Der Bogen spannt sich dabei von den preußischen Heeresreformen und ihren Ambivalenzen (Michael Sikora) über das preußische Heer in der Revolution von 1848/49 (Sabrina Müller) bis zur Entwicklung des preußisch-deutschen Generalstabs zum militärischen Führungsinstrument im 19. Jahrhundert.
Insgesamt verdeutlicht der Band mit seinen 14 Aufsätzen auf diese Weise den politischen und gesellschaftlichen Kontext, in dem die preußische Armee wirkte. Besonders spannend wird die Darstellung durch die vielfachen Vergleiche und Verweise auf die Entwicklung etwa in Frankreich und Österreich. Zahlreiche Literaturhinweise bieten dem Leser die Möglichkeit, im Einzelnen noch tiefer in die Materie einzusteigen. Was der Band nicht bietet – aber als Kompendium von Tagungsreferaten auch gar nicht bieten kann und will – ist eine handbuchartige Zusammenfassung der preußischen Militärgeschichte in dieser Zeit. Gleichwohl entsteht in der Zusammenschau der einzelnen Aufsätze durchaus ein anschaulicher Überblick über Hauptentwicklungslinien und Tendenzen im untersuchten Zeitraum.
Rezension: Oster, Uwe A.





