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Die Schutzgeld-Erpresser von der Wolga
Rund 250 Jahre lang verbreitete die Goldene Horde Angst und Schrecken in Osteuropa. Die Eroberungen dieser mongolischen Reiterheere reichten von Westsibirien bis nach Osteuropa – seit Mitte des 13. Jahrhunderts verfestigten sie sich zu einer Herrschaft, die Teil des mongolischen Großreichs war. Das…
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Der muslimische Rechtsgelehrte Abu Abdallah Mohammed Ibn Battuta (geb. 1304) hatte in seinem Leben schon viele Städte gesehen. Er war in Kairo gewesen und in Damaskus, in Bagdad und in Konstantinopel. Und doch war er verblüfft, als er im Jahr 1333 nach Sarai, in die Hauptstadt der Goldenen Horde, kam. Er staunte über die Größe und Schönheit der Stadt, über die breiten Straßen und die großen Basare, die vielen Moscheen und die zahlreichen Menschen aus aller Herren Länder: Er traf Mongolen, Kiptschaken, Tscherkessen, Russen, Byzantiner, Syrer und Ägypter.
Der Khan wohnte in einem großen Palast, umgeben von Mauern und Türmen, die reichen Kaufleute lebten in großen, luxuriös ausgestatteten Häusern in einem eigenen Stadtviertel. Mit den Jurten in der heimatlichen mongolischen Steppe hatte die Hauptstadt der Goldenen Horde nicht mehr viel zu tun. Aber es war eine Stadt ohne Geschichte und ohne Anbindung an ihre Umwelt. Nach kaum 250 Jahren, zwischenzeitlich sogar einmal an einen neuen Standort verlegt, verschwand sie so schnell, wie sie entstanden war. Mit ihr kam und verschwand die Goldene Horde.
Knapp 80 Jahre vor Ibn Battutas Besuch in Sarai, im Jahr 1246, hatte sich ein anderer Mann auf eine große Reise begeben. Ein übergewichtiger 60-jähriger Franziskanermönch namens Giovanni da Pian del Carpine (um 1185 –1252) wurde von Papst Innozenz IV. zu den „Tartaren“ geschickt, den vermeintlichen Höllenmenschen, deren im Westen gängiger Name von „Tartaros“, einem gemäß griechischer Mythologie personifizierten Teil der Unterwelt, hergeleitet wurde. Zu schwer für ein Pferd, ritt Giovanni auf einem Maultier durch dünnbesiedelte Landstriche, vorbei an den zerstörten Städten Krakau und Kiew, wo noch die Knochen und Schädel der von den Mongolen getöteten Einwohner auf den Straßen lagen.
Der fettleibige Mönch war der perfekte Spion. Sein gewaltiger Körper verbarg einen aufmerksamen und scharfsinnigen Geist. Auch fehlte es ihm nicht an Tempo: In nur 106 Tagen legte er die 4800 Kilometer in die mongolische Hauptstadt Karakorum zurück. Sein Reisebericht, die „Ystoria Mongolorum“, zeugt von genauem Studium von Land und Leuten – und einem für einen Mönch außergewöhnlichen Interesse an Militärtechnik. Giovanni beschreibt ein karges Land mit extremen Witterungsbedingungen, in dem hosentragende Männer und Frauen in runden, filzbezogenen Zelten lebten und an eine einzige Gottheit glaubten, den großen blauen Himmel, aber auch Götzenfiguren anbeteten. Detailliert beschreibt er die Ausrüstung der mongolischen Soldaten, die Organisation ihres Heeres und ihre Kampfweise und schließlich die politische Doktrin: den Auftrag des Reichsgründers Dschingis Khan (1206 –1227), die ganze Welt zu unterwerfen.
Am Hof des Großkhans traf Giovanni auf Würdenträger aus Georgien und Russland, auf nestorianische Christen, Buddhisten und Muslime. Bald folgte ihm ein zweiter Franziskanermönch: Wilhelm von Rubruk (gest. um 1270) reiste im Auftrag des französischen Königs Ludwig IX. zum mongolischen Großkhan Möngke (1251–1259). Auch sein Reisebericht bietet eine Fülle von Informationen und dient als wertvolle Quelle mongolischer Kultur – doch Rubruk übersah die Risse im mongolischen Weltreich. Schon bald nach seiner Abreise vom Hof Möngkes war der Großkhan tot, und in kurzer Zeit vollzog sich eine Entwicklung, die sich abgezeichnet hatte: Das Reich zerbrach in verschiedene Teile. Das von Dschingis Khan etablierte Regierungsprinzip, das auf „Loyalität und Fürsorge“ basierte, war an seine Grenzen gestoßen.
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Für längere Zeit ein erfolgreiches Modell: Der Großkhan belohnt seine Mitstreiter mit Beute
Das Konzept von Loyalität und Fürsorge machte den Großkhan zur ultimativen Integrationsfigur eines extrem zentralistisch geordneten Reiches: Ihm allein standen alle „Fundsachen“ zu, wie die auf den Feldzügen gemachte Beute genannt wurde, und er allein verteilte sie an seine Untertanen, belohnte tatkräftige Verwalter, loyale Diener und tapfere Krieger. So entstand eine äußerst effiziente Leistungsgesellschaft, in der die besten Soldaten, die geschicktesten Verwalter und die loyalsten Dienstleute mit reichem Lohn rechnen durften.
Das Prinzip hatte aber einen gewaltigen Haken: Um seine Gefolgsleute stetig mit „Fundsachen“ versorgen zu können, musste ständig erfolgreich Krieg geführt werden. Doch je erfolgreicher Krieg geführt wurde, desto mehr dehnte sich das Reich aus und desto schwieriger wurde es für den Großkhan, den Zugriff auf sämtliche „Fundsachen“ zu behalten. War Dschingis Khan noch in der Lage gewesen, sein räumlich relativ begrenztes Reich zu kontrollieren, so wurde dies für seine Nachfolger immer schwieriger. Sie befanden sich in einem stetig wachsenden Dilemma: Sie konnten nicht auf Beutezüge und die Ausdehnung ihres Reiches verzichten, waren aber immer weniger in der Lage, es zusammenzuhalten.
Nicht zufällig wirkten die Einfälle der Mongolen auf ihre Opfer mitunter wild, willkürlich und wenig zielgerichtet; auf ausgedehnte Feldzüge folgten plötzliche und scheinbar unerklärliche Rückzüge: Letztlich waren der Krieg selbst und die Beute das Ziel.
In den Tagen der Steppe – während der Feldzüge gegen die Merkit, die Kereit und die Naiman – wurde die besiegte nomadische Bevölkerung jeweils auf die eigenen Stämme aufgeteilt, als Gruppe zerstreut, in ihrer Identität zerstört und gleichzeitig in das neue Volk der „Filzzeltbewohner“ integriert. Von diesem Vorgehen wurde bald Abstand genommen. Die Armeen bestanden nun aus ethnisch homogenen Hilfstruppen, die von wenigen mongolischen Offizieren geführt wurden. Die neu eroberten, von urbaner Besiedlung geprägten Gebiete im Süden und Westen wurden von „fremdmongolischen“ Verwaltern regiert.
Durch die Vermischung der militärischen Elite mit den fremdmongolischen Bürokraten und der lokalen, urbanen Oberschicht bildete sich eine neue Elite, die ihren Machtanspruch zwar von den Mongolen ableitete, tatsächlich aber ethnisch wie kulturell nicht mehr viel mit den Steppennomaden früherer Tage zu tun hatte. Daran änderte es auch nichts, wenn ihre Angehörigen ab und zu einen publikumswirksamen Ritt durch die Steppe unternahmen.
Der zeitgenössische ägyptische Autor al-Omari analysierte den Prozess der kulturellen Angleichung sehr treffend am Beispiel der Kiptschaken: „Sie wurden zu Untertanen der Mongolen. Dann vermischten und versippten sie sich mit ihnen, und die Erde siegte über ihre natürlichen und rassischen Merkmale. Sie wurden alle wie die Kiptschaken.“
Die Khane im Westen streben nach mehr Selbständigkeit
Mit dem Tod des vierten Großkhans Möngke im Jahr 1259 wurden die Teilreiche, die Ulus, unabhängige Herrschaftsgebiete. Die Ursprünge des Ulus Dschötschi, des Gebietes der Goldenen Horde, lagen in einer Zeit fast 40 Jahre zuvor: Nachdem ein mongolisches Heer im Jahr 1223 in der Schlacht an der Kalka einen Verband aus Kiptschaken und Fürsten der Rus vernichtet hatte, kehrte Dschötschi, der älteste Sohn des Dschingis Khan, nicht mehr nach Osten zurück, sondern blieb im Westen und regierte weitestgehend autonom. Sein Sohn Batu erkannte den Großkhan zwar an und schickte Gesandte aus dem Westen pflichtschuldigst weiter nach Osten, agierte aber ebenfalls sehr selbständig.
Nach dem Tod des zweiten Groß-khans Ögedei im Jahr 1241 setzte Batu dann alles daran, die Wahl seines Vetters Güyük zum neuen Großkhan zu verhindern. Denn nicht nur schätzte er seine Freiheit, sondern er konnte Güyük auch nicht ausstehen. Die herzliche Abneigung beruhte auf Gegenseitigkeit und war schon auf dem 1237 begonnenen Feldzug durch Osteuropa deutlich hervorgetreten, der als „Mongolensturm“ und Beginn des „Tatarischen Jochs“ über Russland in die Geschichte einging.
In einem während des Feldzugs verfassten Brief an Ögedei beschwerte sich Batu über den Mangel an Respekt, den er von Güyük erfahren habe. Dazu kamen unterschiedliche Ansichten über die richtige Strategie. Zwar war der Feldzug auf dem Papier ein Erfolg, und die mongolischen Armeen besiegten ein christliches Heer nach dem anderen, eroberten Stadt um Stadt, machten reiche Beute und zahllose Gefangene und zogen eine Schneise der Verwüstung und des Terrors durch Polen, Ungarn und Mähren. Doch Batu trat bald dafür ein, die Kampagne abzubrechen und die Gewinne zu konsolidieren.
Seine Mitstreiter waren jedoch anderer Ansicht. Als dann der Tod Ögedeis den Abbruch unbedingt erforderlich machte und die Generäle den schnellen Rückzug antreten mussten, um die Verhältnisse in der Heimat zu regeln, sah sich Batu bestätigt. Statt ihre Gefangenen auf den Sklavenmärkten am Schwarzen Meer gewinnbringend an italienische und muslimische Händler verkaufen zu können, mussten die Mongolen sie hinrichten. Der unzufriedene Batu blieb daraufhin dem Kuriltai, der Versammlung der Großen, auf der sein verhasster Cousin zum Großkhan gewählt werden sollte, fern und machte die Wahl so unmöglich.
Als Güyük schließlich 1246 dann doch als Großkhan inthronisiert wurde, wohnte dem Ereignis ein westlicher Besucher bei: der bereits vorgestellte päpstliche Agent Giovanni da Pian del Carpine. Er zählte mehr als 4000 Gesandte, die sich anlässlich dieses Ereignisses am Hof des Großkhans aufhielten, und schilderte ausführlich sowohl die Zeremonie als auch das anschließende Gelage.
Güyük sollte jedoch nicht lange auf dem Thron sitzen – kurz bevor der Konflikt mit seinem Rivalen Batu eskalieren konnte, starb er im Frühjahr des Jahres 1248. Abermals kam es zu Nachfolgekämpfen. Erst nach weiteren drei Jahren ohne Großkhan wurde auf Vorschlag Batus Möngke zum vierten Großkhan gewählt.
1255 folgte Berke seinem Bruder Batu als Khan der westlichen Gebiete des Reiches nach. Berke agierte nach Möngkes und Batus Tod politisch unabhängig, allerdings unter veränderten Voraussetzungen. Berke war Muslim, und seine Macht stützte sich nicht unwesentlich auf die muslimischen Kaufleute aus Samarkand und Buchara. Er ließ Münzen prägen, die den Namen des Kalifen al-Nasir li-din Allah (1180 –1225) trugen und von der islamisch geprägten Kultur der Bevölkerung zeugen – und von einem neuen Konflikt. Denn dass Berke den Namen eines lange verstorbenen, allgemein respektierten Kalifen auf die Münzen prägen ließ, war ein Zeichen des Protests gegen die Eroberung Bagdads und die Ermordung des Kalifen durch seinen Vetter Hülegü im Jahr 1258.
Der zwischen Berke und Hülegü ausgebrochene Konflikt sollte die folgenden Jahrzehnte prägen. Für den Kampf gegen Hülegü verbündete sich Berke zeitweise sogar mit seinen muslimischen Glaubensbrüdern aus Ägypten, den Mamlucken. Diese waren Nachfahren der einst von Batu, Güyük und Möngke auf ihrem Feldzug nach Westen versklavten Kiptschaken. Und ausgerechnet diese Militärsklaven brachten nun 1260 dem mongolischen Heer Hülegüs bei Ain Dschalut nördlich von Jerusalem eine vernichtende Niederlage bei und zerstörten den Nimbus der unbesiegbaren mongolischen Armeen.
Die erste große militärische Niederlage fiel zeitlich zusammen mit dem politischen Auseinanderbrechen des mongolischen Großreiches nach dem Tod Möngkes 1259. Seinem nominellen Nachfolger Kublai (1260 –1294) sollte es nicht mehr gelingen, nennenswerte Kontrolle über die sich nun bildenden Nachfolgeherrschaften zu erlangen. Er konzentrierte sich auf seine Herrschaft im östlichen Teil des Reiches und gründete 1271 als Kaiser von China die Yuan-Dynastie.
Erbitterte Machtkämpfe – die „Pax mongolica“ bröckelt
Unterdessen riss Algui die Herrschaft im zentralasiatischen Ulus Tschagatai an sich, Hülegü übernahm die Kontrolle im südlich gelegenen sogenannten Ilkhanat – dem Teilreich, das den Iran, Mesopotamien und Teile Kleinasiens umfasste –, und Berke rang seinerseits um ein möglichst großes Stück vom Kuchen. Die neuen Khanate bekämpften einander teilweise erbittert. Von einer „Pax mongolica“, einer durch die gemeinsame Macht der Mongolen garantierten Friedensordnung, konnte keine Rede mehr sein.
Der Ulus Dschötschi, das Reich der Goldenen Horde, hatte sein Zentrum an der unteren Wolga. Bereits 1254 hatte Batu dort mit den Bauarbeiten für einen Palast beginnen lassen. Das persische Wort für „Palast“ wurde namensgebend für die neue Hauptstadt: Sarai. Dorthin mussten sich von nun an die russischen Fürsten begeben, um ihren Tribut abzuliefern, um über ihre Streitigkeiten richten zu lassen, wenn sie Strafexpeditionen vermeiden oder solche gegen konkurrierende Herrschaften provozieren wollten.
Berkes Interessen lagen allerdings zunächst weniger in den russischen Fürstentümern, sondern eher im Süden seines Reiches, wo jene Handelsrouten lagen, deren Besteuerung wesentlich lukrativer war als die Erpressung von Tributen im Westen: Ihn beschäftigte die Auseinandersetzung mit dem Ilkhanat. Durch Bündnisse mit Ägypten und Byzanz versuchte er, seinen Gegner einzukreisen. Aber auch die Khane des Ilkhanats blieben nicht untätig und versuchten ihrerseits, die christlichen Herrscher Europas für den Kampf gegen die Mamlucken zu begeistern: Sie schickten Gesandtschaften zum Konzil von Lyon und bis nach England, wo die mongolischen Edlen 1290 für einiges Aufsehen sorgten.
Berkes Nachfolger fanden nicht zu einer schlüssigen Strategie. Erst Tochtu (1291–1312) und dann sein Neffe Özbeg (1313 –1341) waren wieder zu einer längerfristigen Politik in der Lage. Özbeg islamisierte sein Reich, dessen Untertanen noch größtenteils orthodoxe Christen gewesen waren, und ersetzte mongolisches durch islamisches Recht. Er führte auch den Krieg mit dem Ilkhanat fort. Da der alte Feind im Süden aber mittlerweile selbst islamisiert worden war und sein Khan Abu Said 1323 ein Bündnis mit den Mamlucken schloss, ging der Zugang zum östlichen Mittelmeerraum verloren.
Nun wandte Özbeg seine Interessen wieder dem Westen zu. Er suchte das Bündnis mit Iwan Kalita, dem Fürsten von Moskau, das in der Folge zum wichtigsten russischen Fürstentum aufstieg. Andere Nachbarn wurden mit Krieg überzogen. Das Prinzip von Loyalität und Fürsorge verschmolz dabei mit dem islamischen Konzept des Kampfs gegen Ungläubige.
Militärisch blieb die Goldene Horde in dieser Phase erfolgreich, aber politisch gerieten die Nachfolger Özbegs mehr und mehr ins Hintertreffen. Stattdessen gelang es den aufstrebenden Mächten Polen und Litauen zunehmend, ihren Einfluss auszuweiten und die militärischen Aktivitäten der Goldenen Horde für ihre eigenen Zwecke nutzbar zu machen: So veranstalteten 1352 Litauer und Tataren einen gemeinsamen Feldzug gegen Polen! Zunehmend wussten sich die christlichen Heere auch besser gegen die Taktiken der Goldenen Horde zur Wehr zu setzen. Der Sieg verbündeter russischer Fürstentümer gegen ein mongolisches Heer in der Schlacht auf dem Schnepfenfeld (1380) markierte zwar keinen Wendepunkt, zeigte aber, dass die Goldene Horde besiegbar war.
Militärische Schlagkraft allein reicht auf die Dauer nicht
Ärger drohte der Horde zudem aus einer anderen Richtung. Der neue Khan Toktamisch (um 1380 –1395) hatte sich der Unterstützung des türkischen Militärführers Timur bedient, um seinen Onkel Urus vom Thron zu stoßen. Als er aber versuchte, eine von Timur unabhängige Politik zu entwickeln, wurde er von diesem mit der Verwüstung von Sarai, Astrachan und Bulgar bestraft. Timur machte mit der Horde, was diese traditionell mit Nachbarn machte, die sich nicht unterordnen wollten: Er überzog sie mit Krieg.
Trotz der sich häufenden Fehlschläge blieb die Horde eine nicht zu unterschätzende Macht von großer Schlagkraft. Ihre Überfälle trafen die Bevölkerung Osteuropas schwer. Die mongolischen Heere wüteten wiederholt in Moskau (1438, 1451, 1472), in Kiew (1416, 1469) oder in Podolien (in der südwestlichen Ukraine; 1442, 1447, 1469). Diese militärischen Erfolge der Horde konnten ihre politische Schwäche aber nicht mehr kaschieren. Während die umliegenden Herrschaften Bündnisse suchten, Wirtschaft und Verwaltung modernisierten, verlor die auf militärischer Schlagkraft ruhende Idee von Loyalität und Fürsorge an Zugkraft.
Die mittlerweile sehr robuste Wirtschaft der russischen Fürstentümer konnte gelegentliche Tributforderungen und Plünderungen gut verkraften. Und mit der Wirtschaftskraft wuchs das Selbstbewusstsein. 1476 verweigerte Iwan III., Großfürst von Moskau (1462 –1505), der Goldenen Horde den Tribut. Deren Anführer Akhmat Khan schaffte es lange nicht, eine schlagkräftige Truppe für eine Strafexpedition aufzustellen. Als 1480 dann doch eine Armee beisammen war, erschienen die litauischen Verbündeten nicht auf dem Schlachtfeld. Nach wochenlangem „Stehen an der Ugra“ zog die mongolische Armee ab. Iwan hatte sie diplomatisch ausmanövriert. Das Tatarenjoch war zu Ende.
Autor: Felix Melching
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