Hermann Parzinger, Präsident des Deutschen Archäologischen Instituts, legt eine ausgewogene, gut lesbare Überblicksdarstellung über das sagenumwobene Volk der Skythen vor. Das 4. Jahrhundert v. Chr. war die Blütezeit dieser wehrhaften Reiterkriegernomaden des eurasischen Steppenraums, die mit ihren Überfällen die altorientalischen Reiche in Angst und Schrecken versetzten (vgl. DAMALS 12-1997). Am Beginn der Darstellung stehen die Aussagen der antiken Geschichtsschreibung über die Skythen im Nordschwarzmeerraum und im Vorderen Orient. Zahlreiche detaillierte, bisweilen auch sagenähnliche Mitteilungen sind Herodot und Hippokrates zu verdanken. Es wird deutlich, daß dem Raum östlich des Ural-Gebirges sowie Sibirien und dem an Sibirien angrenzenden Teil des heutigen Kasachstan für Ursprung und Geschichte der Skythen eine wichtige Rolle zukommt. Parzinger ist prädestiniert, den aktuellen Forschungsstand zum Thema darzulegen, denn unter seiner Leitung wurden die Ausgrabungen in der zentralasiatischen Republik Tuwa durchgeführt – mit sensationellen Ergebnissen. In Tuwa und im Minusinsker Becken (bei Abakan) förderten nämlich die Archäologen in den letzten Jahrzehnten reiche Kurgane (Grabhügel) mit prachtvollen Goldschmiedearbeiten zutage. In Tuwa läßt sich am frühesten fassen, wann und unter welchen Einflüssen sich die reiternomadischen Verbände mit ihren neuartigen Kampftechniken, dem auffallenden Tierstil auf Waffen und Schmuck und der hohen sozialen Differenzierung herausbildeten. Parzinger gibt einen instruktiven Überblick über die monumentalen Grabanlagen von Arschan vom Ende des 9. bzw. Anfang des 8. Jahrhunderts v. Chr.
Weitere Höhepunkte sind die berühmten eiskonservierten Kurgane im Berg-Altai, die von Parzinger eindrucksvoll beschrieben und mit instruktiven Abbildungen illustriert werden. Außerdem behandelt er die Kultur der Saken Mit?telasiens, die Sauromaten und frühen Sarmaten am Ural, schließlich die Skythen im Nordschwarzmeerraum. Hier ergänzen sich die Ausgrabungsbefunde und die Darstellung Herodots oft hervorragend.
Ein Literaturverzeichnis und ein Register schließen die kleine, aber aufschlußreiche Darstellung ab.
Rezension: Häusler, Alexander





