Hamburgs südliche Altstadt wurde in den 1880er Jahren von einem Wohngebiet zu einer Lagerhausinsel umgebaut. Bevor man ein ganzes Viertel niederriss, ließ es die Baudeputation von Georg Koppmann (1842-1909) fotografieren. Der Fotograf wurde zum offiziell beauftragten Archivar und dokumentierte das, was unwiederbringlich zerstört werden würde: Die historisch bemerkenswerten Häuser, Straßen und Plätze auf der Kehrwieder-Wandrahm-Insel, entlang des heutigen Zollkanals.
Die Aufnahmen vermitteln ein Bild von der vorindustriellen Lebens- und Handelswelt am Hafenrand mit ihren unterschiedlichen sozialen Lebenswelten. Zugleich dokumentieren sie, wie sich Hamburg, durch wirtschaftliche Interessen geleitet, als Stadt am Wasser völlig neu erfindet. Mit dem Zollanschluss an das Deutsche Reich 1888 ist zollfreier Handel nur noch in einem neu ausgewiesenen Freihafenbezirk möglich. Dem Bau einer völlig neuen Infrastruktur mit Speichern, Quais und Kanälen unmittelbar an der Elbe fällt der ganze Stadtteil auf der Kehrwieder-Wandrahm-Insel und mit ihm ein „nicht geringer Theil der eigenthümlichsten Straßen und Bauten des alten Hamburgs zum Opfer“, wie es in einem Zeitungsbericht hieß.
Es gelang dem Fotografen, den im Verschwinden begriffenen Stadtteil mit der Kamera zu vermessen, ohne ihn dabei zu beschönigen oder zu verklären. Neben der sachlichen Schilderung der Architektur bildete Koppmann auch den Alltag ihrer Bewohner ab, die auf vielen Aufnahmen präsent sind und für den Fotografen in ihren Aktivitäten innehalten. Die von großformatigen Glasnegativen entstandenen Albumin-Abzüge ermöglichen es durch ihren Detailreichtum, zufällige Entdeckungen in dieser stillgestellten Welt zu machen.





