Als ihm mitgeteilt wurde, dass François Mitterrand ihn bei der Präsidentschaftswahl 1965 als Kandidat der Linken herausfordern wolle, soll Charles de Gaulle einen Lachanfall bekommen haben. Tatsächlich galt Mitterrand, der in der chaotischen Vierten Republik (1946 –1958) mehrfach als Minister gedient hatte, als Mann von gestern. Als 1958 in Algerien das Militär geputscht hatte, de Gaulle aus dem Ruhestand zurückgekehrt und als Präsident an die Spitze der neuen Fünften Republik gewählt wurde, schien die Karriere von Mitterrand beendet.
Der hatte sich über die Rückkehr des Generals lauthals empört – bei den Wahlen dann aber sein Mandat in der Nationalversammlung verloren. Nur über den Umweg der Lokalpolitik glückte ihm ein politisches Comeback: Er ließ sich in dem kleinen Städtchen Château-Chinon in der Region Bourgogne-Franche-Comté zum Bürgermeister wählen, anschließend zum Senator des Departements Nièvre, danach zum Vorsitzenden des Generalrats des Departements. Nun trat er auch deshalb gegen de Gaulle an, weil niemand sonst es wagte, den General herauszufordern.
Beide Kandidaten kannten sich aus Kriegstagen und hatten einander schon damals nicht gemocht. Mitterrand stammte aus einer bürgerlichen Familie aus Jarnac im Departement Charente. In einem ländlich-konservativen Umfeld aufgewachsen, besuchte er ein katholisches Internat, ehe er 1934 zum Studium nach Paris ging. Während des Studiums bewegte er sich im Umfeld des Croix de Feu, einer antiparlamentarischen Gruppe, die im katholisch-traditionalistischen Milieu sehr populär war, bis sie 1936 von der linken Volksfront-Regierung verboten wurde.
1938 zum Militär eingezogen, wurde Mitterrand während des deutschen Westfeldzuges im Mai/Juni 1940 verwundet und gefangen genommen. Im Kriegsgefangenlager hatte er zum ersten Mal in seinem Leben Umgang mit Menschen mit einem anderen sozialen Hintergrund: mit Arbeitern, Sozialisten und Kommunisten. Allzu lange dauerte die Gefangenschaft jedoch nicht: Nach zwei missglückten Fluchtversuchen hatte Mitterrand im dritten Anlauf Glück und fand Helfer, die ihm die Flucht ins noch unbesetzte Südfrankreich ermöglichten.
Nur langsam näherte sich Mitterrand dem französischen Widerstand an. Zunächst arbeitete er im Dienst des Vichy-Regimes für mehrere Organisationen, die sich um die Anliegen geflohener und entlassener Kriegsgefangener kümmerten. Wie viele Franzosen war er maréchaliste, bewunderte den „Helden von Verdun“, Marschall Philippe Pétain, der von 1940 bis 1944 den autoritären, mit NS-Deutschland kollaborierenden État français führte.
Mitterrand selbst war kein Kollaborateur, nahm diese Art der Zusammenarbeit mit den Deutschen, die Unterdrückung im Land und den wachsenden Antisemitismus des Regimes aber hin. Als Ministerpräsident Pierre Laval den greisen Pétain immer stärker dominierte, schrieb Mitterrand in einem Brief an seine Cousine: „Wenn seine Methode uns hilft zu überleben, ist sie gut.“ Langsam aber wandelte sich seine Einstellung. Spätestens, als die Wehrmacht im November 1942 auch den Süden Frankreichs besetzte, pflegte Mitterrand Kontakt zum Widerstand. Bald baute er mit anderen ehemaligen Kriegsgefangenen eine eigene Gruppe auf.





