Auf keinem “Ritterfest” oder “Mittelaltermarkt” dürfen sie fehlen: Die “Spielleute”, die das Publikum mit fremdartigen Musikinstrumenten, akrobatischen Darbietungen und grotesken Pantomimen unterhalten und die geradezu als Paradebeispiel des “sinnenfrohen”, bunten Mittelalters gelten können. Daß es sich dabei um ein komplexes und differenziertes historisches Phänomen handelt, das weite Einblicke in gesellschaftliche Strukturen, Normen und Vorstellungen eröffnet, demonstriert der Duisburger Historiker Wolfgang Hartung in seinem Buch “Die Spielleute im Mitetlalter” auf der Grundlage umfangreichen Quellenmaterials aus dem gesamten Mittelalter. Als “fahrendes Volk”, das weder in die älteren Herrschafts– und Lebensordnungen des Landes noch in die neuen der mittelalterlichen Städte einzubinden war, gehörten Sänger, Musikanten, Gaukler und Akrobaten zu den nur geduldeten, minderberechtigten Randgruppen, auch wenn sie so manches Fest an den Fürstenhöfen oder in den Städten bereicherten. Als Unterhaltungskünstler waren sie bevorzugtes Feindbild mittelalterlicher Theologen, die an die Zivilisationskritik spätantiker Kirchenväter anknüpften, und erfreuten sich doch des Interesses vieler geistlicher Herren. Diese Ambivalenz und ihre Folgen für die soziale Stellung der Spielleute stehen im Mittelpunkt der engagierten und detailreichen Darstellung. Unverkennbar ist die aus langjähriger Forschung erwachsene Sympathie des Autors mit seinem Gegenstand, die sich freilich auch in wenig erhellender Polemik gegen mittelalterliche Autoren und zeitgenössische Fachkollegen äußert.
Rezension: Körntgen, Ludger





