In den aktuellen Diskussionen über die gemeinsamen Grundlagen und Lebensformen Europas gebührt der mittelalterlichen Stadt besondere Aufmerksamkeit. Zwar gehört die Siedlungsverdichtung in Form von Städten zu den ursprünglichen Phänomenen antiker Geschichte und Kultur, erst im Mittelalter aber sind jenseits der Grenzen des Römischen Reichs Städte entstanden, die noch heute das europäische Leben prägen. Auch die Städte in Italien und Frankreich oder im Westen und Süden Deutschlands, die eine zumindest äußerliche Kontinuität zu ihren römischen Vorgängern aufweisen, haben seit dem 11. Jahrhundert neue, mittelalterliche Organisations- und Lebensformen ausgebildet. Dabei sind gemeinsame, aber auch ganz verschiedene Wege beschritten worden; die topographischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und nicht zuletzt die Einwohnerzahlen markieren beträchtliche Unterschiede etwa zwischen einer staufischen Reichsstadt in Südwestdeutschland und den Handelsmetropolen in der Toskana. Um in dieser Vielfalt Orientierung zu bieten, beschränkt sich der konzentrierte, klar geschriebene Überblick aus der Feder des Siegener Wirtschafts- und Stadthistorikers Bernd Fuhrmann auf die Städtelandschaften Deutschlands, Oberitaliens und der Niederlande. Im chronologischen Rahmen werden „Antikes Erbe und Neuanfänge“ sowie die „Verstädterung des Hochmittelalters“ pointiert und zugleich detailreich entwickelt. Der Schwerpunkt liegt zu Recht auf Rahmenbedingungen, Organisation, Struktur und Lebensformen der „Städte im Spätmittelalter“. Eine opulente Ausstattung mit zumeist farbigen, aussagekräftig erläuterten Abbildungen verleiht der Darstellung Anschaulichkeit. Der Anmerkungsapparat ist auf ein Mindestmaß beschränkt, doch bietet das dreiseitige Literaturverzeichnis Anregungen zur Vertiefung. Bei der Erschließung des informativen Bandes hilft ein Ortsregister, auf ein Sachregister wurde leider verzichtet.
Rezension: Körntgen, Ludger





