Neben dem nach dem Krieg „historisch korrekt“ wieder aufgebauten Goethe-Haus in Frankfurt entstand jüngst ein entschieden moderner Neubau, der die Bauumgebung vorbildlich respektiert. Tritt man durch den niedrigen Eingang ein, dann eröffnet ein großes Fenster sofort den Blick in einen Garten. Man fühlt sich also gleichzeitig im Foyer und draußen in der Natur. Solche Wahrnehmungseffekte nutzt die Ausstellung mehrfach – und lässt damit unterschwellig einen zentralen Aspekt des Themas Romantik anklingen, nämlich die Reflexion der eigenen Wahrnehmung.
Die Romantik-Ausstellung auf zwei Etagen ist mit ihren 35 Stationen kleinteilig und so anregend, dass man Stunden darin verbringen kann. Sie beginnt mit einem „Wald“ aus Spiegeln, der zeitgenössische Definitionen von Romantik mit heutigen Alltagsmeinungen kontrastiert: ein Spannungsbogen aus Denkanregungen entlang von Begriffen bis zu Gegenwartsbedeutungen des Romantischen. Besucherinnen und Besucher können sich ohne empfohlenen Rundgang einfach von den sehr abwechslungsreich inszenierten Stationen locken lassen, zum Beispiel in die „Waldeinsamkeit“. Durch eine bis zur Decke reichende, gefaltete Fototapete wirkt der Raum tatsächlich wie ein Wald. Dort hört man unterschiedliche Auszüge aus dem Märchen „Der blonde Eckbert“ von Ludwig Tieck. Aus den Wänden dringen Waldgeräusche. Geht man zurück, wirkt der zauberhafte Wald auf einmal düster und gefährlich – also sehr ambivalent. Das verweist auf das Dunkle der Existenz, das die Romantik in Abgrenzung von der Aufklärung thematisiert.
Zu jedem Thema gehört eine Erklärstation mit einem Pult. Wer es öffnet, sieht ein Original aus der einzigartigen Romantik-Sammlung des Freien Deutschen Hochstifts – mal eine Manuskript-, mal eine Buchtitelseite, jeweils gut erläutert. Bei Manuskripten kann man sich sogar eine Transkription ansehen.
Nebenan wartet schon ein Ölbild, auf dem zwei Männer in Rückenansicht auf den Petersdom in Rom blicken. Wir erfahren am Pult, dass es sich um die Künstler Raffael und Michelangelo handelt. Neben Dürer wurden sie von Wilhelm Heinrich Wackenroder und Ludwig Tieck in den „Herzensergießungen eines kunstliebenden Klosterbruders“ 1796 als göttlich begnadete Menschen stilisiert: Die Idee der Kunstreligion, die der Kunst eine geradezu religiöse Rolle zuweist, rückte das erlernbare Handwerk in den Hintergrund – und prägt das Bild vom Künstler bis in die Gegenwart.
Vorbei an Stationen zur Wohngemeinschaft der Frühromantiker um Friedrich und Dorothea Schlegel in Jena, die neue Geschlechterbeziehungen ausprobierten, geht es zur „Interaktiven Landkarte der Romantik“. Hier lassen sich Personen, Lebenswege, Reisen, Orte und historische Gedenkstätten recherchieren. Und man kann prüfen, ob der eigene Wohnort einen Bezug zur Romantik aufweist.





