Wer sich einmal auf die Spuren des etwas andere Berlin, dem Berlin der 1920er Jahre begeben möchte, wird im Buch von Michael Bienert und Elke Linda Buchholz sicherlich fündig. Verständlich und übersichtlich zeigen die beiden Kulturjournalisten wieviel Charme der vergangenen Zeit in Berlin überlebt hat. Das thematisch gegliederte Buch verbindet anonymen Fortschritt mit angesehener Kunst und Kultur. Die “schöpferische Unruhe” der 20er Jahre ist vielerorts Vorbild für die Neugestaltung der wiedervereinten Stadt. Jedem der elf Kapitel ist eine kurze allgemeine Einleitung zum jeweiligen Themenbereich vorangestellt. Danach folgt ein verständlich geschriebener und reich bebilderter geschichtlicher Überblick. Viele Tips zu Sehenswertem, Skurrilem, Ausstellungen oder Museen runden das Bild ab. Dem Leser eröffnet sich ein breites Spektrum an Themen. Sie reichen von Politischem über Mode und Design bis hin zu einem “Spaziergang” über den Kurfürstendamm. Aber eines haben sie alle gemein, sie verbanden sich in der Periode von 1918 bis 1933 zu einem über Berlin hinausreichenden Faszinosum. Etwas gewöhnungsbedürftig sind die am Seitenende aufgeführten Bildunterschriften. Das macht manchmal den Bezug zwischen Bild und Bildunterschrift schwierig. Hingegen sind die vielen Wohnadressen einstiger Berlinbewohner, etwa Einstein oder Thomas Mann, ein nettes Zusatzschmankerl.
Rezension: Johner, Jasmin





