Ein Psalmwort gab den Namen und die Richtung vor, in die das Staatenprojekt im Norden Amerikas zielte: “Es wird Herrschaft geben von Meer zu Meer” (Psalm 72, 8). Weil die Union weiterhin zum britischen Königreich gehören sollte, fiel das zunächst favorisierte “Königreich Kanada” als Bezeichnung aus. Der im zitierten Psalm mit “Herrschaft” übersetze Ausdruck lautet “Dominion”, und so erblickte mit dem Inkrafttreten des “British North America Act” am 1. Juli 1867 das “Dominion of Canada” das Licht der politischen Welt. Die aufgezeigte Vision vom transkontinentalen Territorium blieb zunächst Utopie – wenngleich mit reeller Chance auf Verwirklichung. Denn die wirtschaftlichen und verteidigungspolitischen Argumente, die schon für den jetzt erfolgten Zusammenschluß aus Upper Canada (Ontario) und Lower Canada (Quebec) sowie den beiden Küstenprovinzen Neubraunschweig und Neuschottland sprachen, galten genauso für die verbleibenden Gebiete im Westen. In wirtschaftlicher Hinsicht sprach für die Einheit, daß die Eisenbahnlinie das Landesinnere mit den Häfen der Ostküste verbinden sollte. Entscheidend aber war die Furcht, daß der amerikanische Bürgerkrieg zu Beginn der 60er Jahre auf die britischen Kolonien übergreifen könnte. Nur gemeinsam sah man eine Chance, sich einer möglichen Annexion zu erwehren. Die neue Verfassung war ein Vorbild an föderaler Ausgewogenheit und beließ den Provinzen viele Rechte. Sie bewährte sich auch noch dann, als sich Kanada tatsächlich von Meer zu Meer erstreckte, und auch die heute gültige Konstitution fußt noch auf ihr.





