Der Journalist Peter Michalzik behandelt in seinem biografischen Werk „Die Liebe in Gedanken“ – ein poetischer und durchaus passender Titel – die Dichter Boris Pasternak, Marina Zwetajewa und Rainer Maria Rilke. Pasternak lebte überwiegend in Russland und erlangte vor allem mit seinem Roman „Doktor Schiwago“ internationale Bekanntheit. Marina Zwetajewa zählt heute zu den bedeutendsten russischen Dichterinnen des 20. Jahrhunderts, verbrachte aber mit ihrer Familie viele Jahre im Exil in Paris. Im deutschsprachigen Raum deutlich bekannter ist der österreichische Schriftsteller Rainer Maria Rilke, der nach Ende des Ersten Weltkriegs seinen Wohnsitz in die Schweiz verlegte. Michalzik führt dem Leser nun in gelungener Weise die Verbindung zwischen der Lebensgeschichte der drei Persönlichkeiten und der sich entwickelnden, von Höhen und Tiefen durchzogenen, Beziehung zueinander vor Augen. Erfreulich ist zudem, dass uns Michalzik über den politischen und gesellschaftlichen Rahmen, welcher das Kriegsende 1918 und die folgenden 1920er Jahre umfasst, umfänglich ins Bild setzt.
Inhaltlich gliedert der Autor sein Werk in fünf Teile, welche er zeitlich eingrenzt. Der erste Teil umfasst die größte Zeitspanne, die Jahre 1918 bis 1925. Hier erhält der Leser eine Einführung in die politische Situation Russlands nach dem Ersten Weltkrieg und, darin eingebettet, das erste, eher unspektakuläre Aufeinandertreffen Zwetajewas und Pasternaks, zwischen denen sich in der Folge ein Briefaustausch entwickelte. Schon hier wird deutlich: Bindeglied zwischen den beiden ist das Entdecken einer gemeinsamen gedanklichen Welt und die Faszination für Dichtung.
In den folgenden Teilen fokussiert Michalzik lediglich das Jahr 1926. Kurze Auszüge aus dem Briefwechsel zwischen Pasternak und Zwetajewa lassen die unterschiedlichen Stufen der Begeisterung füreinander deutlich werden, mal stürmisch und bedingungslos, mal sachlich und gefasst. Daneben findet bei ihnen auch der Umgang mit der jüngeren russischen Geschichte seinen Niederschlag: Boris Pasternak wollte sich mit dieser Geschichte auseinandersetzen und an ihr teilhaben. Er betrachtete sie Michalzik zufolge als eine „würdige“ und „moralische“, in der auch die Revolution von 1917 als „Teil der langen, emanzipatorischen und demokratischen Bewegung in Russland“ zu sehen sei. Ganz anderer Meinung war Zwetajewa, die einen grundsätzlichen Konflikt zwischen Dichter und aktuellem Zeitgeschehen sah.





