Am 28. Juni 1914 wurde der österreichische Thronfolger Franz Ferdinand in Sarajevo Opfer eines Attentats serbischer Nationalisten. Vier Tage später erhielt Wilhelm II. eine Mitteilung des deutschen Botschafters in Wien über die Stimmung dort. Der Gesandte berichtete, weithin sei in Österreich-Ungarn die Ansicht zu hören, es müsse „einmal gründlich mit den Serben aufgeräumt werden“. Wie üblich gab Wilhelm seiner Neigung nach, gepfefferte Kommentare an den Rand zu kritzeln. Er kommentierte, das sei tatsächlich dringend nötig, und zwar „jetzt oder nie“. Dann fügte er noch bekräftigend hinzu: „Mit den Serben muss aufgeräumt werden, und zwar bald!“
Diese scharfen Worte sind oft als Beleg dafür interpretiert worden, Wilhelm II. habe das Attentat von Sarajevo frühzeitig als Vorwand genutzt, um den Ersten Weltkrieg vom Zaun zu brechen. Allerdings machte der Kaiser in seinen zornigen Randnotizen keinerlei Aussagen darüber, wer denn mit Serbien „aufräumen“ sollte. Und offensichtlich hatte er ganz und gar nicht im Sinn, dass Deutschland sich an diesen „Aufräumarbeiten“ beteiligen sollte. Denn über die Reaktion auf das Attentat werde in Wien entschieden, „da es lediglich Österreichs Sache ist, was es hierauf zu thun gedenkt“.





