Die Philosophin Barbara Stangneth hat sich mit dieser Version der Rolle Eichmanns nicht zufriedengegeben, sondern sich die Frage gestellt, wer Eichmann vor dem Prozess war und was er dachte. Und war er wirklich erst durch den Prozess einer breiten Öffentlichkeit bekannt geworden? Akribisch durchforstet die Autorin die zahlreichen Quellen auf der Suche nach Antworten, die in vielen Fällen alte „Gewissheiten“ über den Haufen werfen. Sie enthüllt nicht nur, dass Eichmann in Argentinien maßgeblich an einem Kreis ehemaliger Nazis beteiligt war, die sogar Umsturzpläne für ihre alte Heimat hegten, sondern beschreibt auch die Selbstinszenierungen des Massenmörders, die so trefflich mit der Spirale des Vergessens in der frühen Bundesrepublik harmonierten. Ein lesenswertes, verstörendes Buch.
Rezension: Dr. Heike Talkenberger





