Um 1721 in Afrika geboren, wurde Soliman als Kindersklave nach Sizilien verkauft und kam als Diener, Soldat und enger Vertrauter zunächst in den Dienst von Feldmarschall Lobkowitz. Ab 1754 lebte er in Wien, wo er im Hofstaat der Fürsten Liechtenstein eine wichtige Rolle spielte – als Kammerdiener und Erzieher der Fürstenkinder, aber auch als exotisches „Prunkstück“ für höfische Repräsentation. Gegen den Willen des Fürsten heiratete er und lebte einige Jahre als Privatier und Hausbesitzer in der Vorstadt. Als Freimaurer verkehrte Soliman auch mit Mozart und bedeutenden Wissenschaftlern. Nach orientalischem Geschmack gekleidet, war er eine bekannte und geschätzte Wiener Persönlichkeit.
Soliman ist der erste nichteuropäische Zuwanderer in Wien, dessen Leben ausreichend dokumentiert ist, um ihn als Person zu erschließen. Doch die Grenze zwischen belegbaren Fakten und anekdotischer Überlieferung ist fließend. Soliman bleibt Projektionsfläche, je nach Perspektive der Betrachtung: Er ist Kuriosum und erfolgreicher Migrant, ewiger Sklave und bürgerlicher Aufsteiger, Vorbild und Opfer. In seiner Biografie sind Emanzipation und Zwangsassimilierung eng miteinander verwoben.
Neben der Biografie von Angelo Soliman und deren historischem Umfeld behandelt die Ausstellung auch die Rezeptionsgeschichte: Idyllische Einordnungen ins alte Wien finden sich ebenso wie phantasievolle Variationen von Musil oder Herzmanovsky-Orlando und antirassistische Kritik der Legendenbildung um den prominenten Afro-Österreicher. Ein weiteres Thema ist die Fortschreibung von Afrikaner-Stereotypen und latentem Rassismus bis heute. Den Abschluss bilden Video-Statements von heute in Wien lebenden Menschen mit afrikanischem Migrationshintergrund.
Zu der Ausstellung ist im Christian Brandstätter Verlag ein sehr schön gemachter Begleitband erschienen. Der erste Teil enthält Essays, die sich einerseits intensiv mit der Biographie Angelo Solimans befassen, andererseits aber weit darüber hinausgehen. So befassen sich die Beiträge beispielsweise mit dem Sklavenhandel des 18. Jahrhunderts, mit Sklaven in der mediterrranen Welt oder insgesamt mit dem Thema Afrikaner an den Höfen Europas. Der zweite Teil des Katalogs zeigt dann die Exponate der Ausstellung, die jeweils ausführlich beschrieben und eingeordnet sind.





