Bei dem Exemplar handelt es sich um einen Bomber, der 1944 über dem ungarischen Plattensee abgeschossen und in das Gewässer gestürzt war. Nachdem das Wrack jahrzehntelang ein ärgerliches Hindernis für die lokalen Fischer darstellte, wurde das Flugzeug 1996 schließlich vom Grund des Sees gehoben.
Daraufhin zeigte das Deutsche Technikmuseum Interesse an dem geborgenen Flieger. Denn obwohl im Krieg in großen Stückzahlen gebaut, existieren heute nur noch wenige Exemplare dieses Bombers. Nachdem die Übernahme des Flugzeugs durch das Berliner Museum geklärt war, begann die ungarische Firma Bircsek mit den Restaurierungsarbeiten. Das Unternehmen ist auf die Wiederherstellung historischer deutscher Flugzeuge aus dem Zweiten Weltkrieg spezialisiert.
Die Instandsetzung der Ju88 erforderte zunächst umfangreiche Recherchen von den Konstrukteuren. Der Flieger aus dem Plattensee war so stark zerstört, dass für den Wiederaufbau zahlreiche Ersatzteile nötig waren. Um ein Höchstmaß an Authentizität zu gewährleisten, sollte es sich bei diesen Bauteilen möglichst um Originale handeln. Die Ungarn wandten sich daher an das Nordische Luftfahrtmuseum im norwegischen Bodø.
Norwegen gilt als Fundgrube für Ju88-Bauteile, da im Krieg viele der Flugzeuge über dem skandinavischen Land abgeschossen wurden. In den folgenden Jahren entwickelte sich eine intensive Zusammenarbeit zwischen dem Luftfahrtmuseum und der Firma Bircsek. Als Gegenleistung für die Bereitstellung diverser Bauteile bauten die ungarischen Spezialisten einen zweiten Flugzeugrumpf für das Museum in Norwegen.
Derzeit arbeiten die Fachleute von Bircsek an den Tragflächen und dem BMW-Motor des Bombers. Am Ende des Rekonstruktionsprozesses soll eine komplett wiederhergestellte Ju88 im Deutschen Technikmuseum stehen. Unterstützung erhält das Deutsche Technikmuseum dabei auch von Privatpersonen. Aus dem Nachlass eines historisch begeisterten Ingenieurs erhielt das Museum kürzlich ein aus Originalteilen zusammengesetztes, vollständiges und funktionsfähiges Bordfunkgerät.
Bei der Junkers aus dem Plattensee handelt es sich um eine spezielle Variante des Bombers mit der Bezeichnung „G-1“ , die als schwerer Nachtjäger genutzt wurde. Dank der Verbandsabzeichen auf dem Wrack lässt sich das Exemplar des Flugzeugs eindeutig dem Nachtjagdgeschwader NJG 6 zuweisen, das 1944 in Ungarn gegen die vorrückenden sowjetischen Truppen im Einsatz war. Das Besondere an diesem Nachtjäger-Modell ist die auffällige Funkmess- beziehungsweise Radaranlage mit den dazugehörigen „Lichtenstein“-Antennen. Wegen ihres auffälligen Aussehens hießen diese im Fliegerjargon salopp „Hischgeweih“.





