Vor genau 300 Jahren begann die eigenwillige Markgräfin Sibylla Augusta von Baden-Baden mit dem Bau ihres Lustschlosses. Es wurde das kostbare Gehäuse ihrer Sammlungen – und die haben sich bis heute dort erhalten. Bekannt ist die Favorite für ihre ungewöhnliche Originalausstattung, die historischen Seidenbespannungen, die Lackmöbel, die detailverliebten Fußböden aus Stuckmarmor und die kostbaren Einlegearbeiten aus Glas und Edelstein.
Im gleichen Jahr 1710 zeigte die Frühjahrsmesse in Leipzig das erste europäische Porzellan. Die spätere Manufaktur Meißen war es, die damals die ersten Stücke des absolut neuen, revolutionären Materials vorstellen konnte. Und Sibylla Augusta war eine der ersten Kundinnen. Sie sammelte mit sicherem Blick – und mit der Unterstützung des sächsischen Kurfürsten. August der Starke war ihr eng verbunden: als Kunstsammler mit den gleichen Interessen, als Bauherr, der sich zur gleichen Zeit sein Porzellanschloss errichten ließ. Und: Die bildhübsche und reiche Prinzessin Sibylla Augusta, eine der attraktivsten Partien in Europa, war in ihrer Jugend eine mögliche Heiratskandidatin für den barocken Herrscher. „Die perfekte und ungestörte Erhaltung von Schloss, Einrichtung und markgräflichen Sammlungen – das ist einzigartig und besonders hier in Favorite“. Dies betonten Ulrike Grimm, die Konservatorin des Markgräfinnen-Schlosses, und Michael Hörrmann, der Geschäftsführer der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, bei der Vorstellung des Jubiläumsprogramms.
Anlässlich des doppelten Jubiläums wird das Porzellanschloss seine Tore in besonderer Weise öffnen: Im Erdgeschoss wird vom 24. April bis zum 12. September eine feine Sonderausstellung „Meißener Porzellan der Frühzeit“ mit den Kostbarkeiten der Markgräfin zu sehen sein. Das zweite Obergeschoss wird erstmals für die Besucher frei zugänglich sein und verschiedene Themen rund um die Sammlungen der Markgräfin in der Favorite präsentieren.
Eine besondere Möglichkeit im Jubiläumsjahr bietet sich den Besuchern durch den neuen „Phoneguide“: Beim Spaziergang durch den Landschaftsgarten kann man einfach so viel an Information und Begleitung abrufen, wie man hören und wissen möchte. Klänge und Stimmen des 18. Jahrhunderts laden ein, in die Zeit der Sibylla Augusta einzutauchen. Dazu gibt es sachkundige und knappe Informationen, anschaulich erzählt – und das alles abrufbar über das eigene Mobiltelefon.
Dazu kommen Feste, Familienprogramme, eine Kunsthandwerks- und Gartenmesse im stimmigen Ambiente des Schlossgartens, musikalische Veranstaltungen und jede Menge Führungen und Rundgänge für alle Interessen. Und ab Mai lädt im verträumten Schlossgarten ein dendrologischer Spaziergang zu Entdeckungen unter den alten Baumriesen ein: Emaille-Schildern nach historischen Vorbildern und ein anschaulicher Prospekt begleiten auf dem grünen Rundweg durch den Park der Markgräfin. Ein opulenter Bildband mit zahlreichen Neuaufnahmen der Favorite erscheint zur Ausstellung – eine überschwängliche Liebeserklärung an das Kleinod der Sibylla Augusta.





