Der Anglist Christoph Ribbat erzählt die bewegte und wenig bekannte Lebensgeschichte von Ilse Groß. Er stützt sich dabei auf Briefe, Tagebücher, autobiographische Texte, Interviews mit Zeitzeugen und historische Dokumente. Wer allerdings eine nüchtern-distanzierte, der Chronologie folgende Biographie erwartet, wird von dem Buch enttäuscht sein. Ribbat schildert das Leben seiner Protagonistin dramatisch in elf episodenhaften Kapiteln, die in der Zeit häufig vor und zurück springen. Viele Stellen geben detailreiche Einblicke in die Gefühlswelt von Groß, bei denen man nicht immer ganz sicher ist, ob die Quellen es hergeben. Es ist dennoch (und vielleicht auch gerade deshalb) eine fesselnde Lektüre, die man nur ungern aus der Hand legt.
Rezension: Anna Joisten
Christoph Ribbat
Wie die Queen
Die deutsch-jüdische Geschichte einer sehr britischen Schriftstellerin
Insel Verlag, Berlin 2022, 220 Seiten, € 24,–





