Die Grausamkeiten an der Front und im Hinterland seien so aus dem perzipiert existenziellen Kampf gegen die jüdisch-bolschewistisch regierte Sowjetunion abzuleiten, deren nachhaltige Zerschlagung als Sicherheitsgarant für das deutsche Volk dargestellt wurde. Seinem Ziel, der „Revision“ einer „germanozentrischen“ Darstellung der schrittweisen Radikalisierung nationalsozialistischer Herrschaft bis hin zum Massenmord wird Hellbeck nur teilweise gerecht.
Die zunächst langatmig erscheinende Einleitung trägt dennoch zu einem vertieften Verständnis des katalysierenden Effekts, den die NS-Ideologie auf den Systemzusammenstoß an und hinter der Front im Osten hatte und dient als neue Linse, durch die die folgende Nacherzählung des Krieges von Operation Barbarossa bis zur Eroberung Berlins um eine Interpretation erweitert werden kann. Ein lesenswertes Werk, das beweist, dass die Geschichte des Krieges zwischen Hitlerdeutschland und der Sowjetunion noch keineswegs zu Ende erzählt worden ist.
Rezension: Kilian Bernauer
Jochen Hellbeck
Ein Krieg wie kein anderer
Der deutsche Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion
Eine Revision
Verlag S. Fischer, Frankfurt am Main 2025, 688 Seiten, S. Fischer, € 36,-





