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Ein Massaker an Frauen und Kindern vor 2800 Jahren
Geschichte & Archäologie

Ein Massaker an Frauen und Kindern vor 2800 Jahren

In Serbien haben Archäologen ein Massengrab entdeckt, das von einem brutalen Massaker an vornehmlich Frauen und Kindern vor rund 2800 Jahren zeugt. Unter den 77 Toten sind 40 Kinder und elf Jugendliche, außerdem mindestens 21 Frauen. Die Skelette der in der Grube verscharrten Opfer zeigen Spuren von Schlägen und Messerstichen. Überraschend ist jedoch, dass die Toten nicht miteinander verwandt waren und möglicherweise nicht einmal aus dem gleichen Ort stammten.
Autor
Nadja Podbregar
26. Februar 2026
Lesezeit
4 Minuten
Rubrik
Geschichte & Archäologie

Konflikte und Gewalt waren vermutlich schon immer Teil der menschlichen Geschichte. Massengräber aus der Steinzeit und Bronzezeit zeugen davon, dass immer wieder ganze Gruppen von Menschen gewaltsam getötet und verscharrt wurden. „Frühe Fälle solcher kollektiven Gewalt umfassten meist relativ wahllose Tötungen von kleinen Gruppen aus Männern, Frauen und Kindern“, erklären Linda Fibiger von der University of Edinburgh und ihre Kollegen. Häufig waren Konflikte zwischen lokalen Gruppen der Auslöser, oft wurden dabei ganze Familien oder Siedlungen ausgelöscht. Später, in der Bronzezeit kommen Massengräber von getöteten Männern oder Kriegsgefangenen hinzu, die von zunehmend organisierten, kriegsähnlichen Konflikten zeugen.

geografische Einordnung
Lage des Massengrabs von Gomolava und die vor rund 2.800 Jahren in der Region vorkommenden Kulturen. © Fibinger et al./ Nature Human Behaviour, CC-by-nc-nd 4.0

Skelette von 77 gewaltsam Getöteten

Doch im Norden Serbiens haben Fibinger und ihr Team ein Massengrab entdeckt, dass nicht in gängige Schemata passt. Die relativ kleine Grube liegt in Gomolava, einem Ort am Rand der pannonischen Steppe und fast im Zentrum der Karpatensenke. Diese Region war vor rund 2800 Jahren von Umbrüchen und Konflikten zwischen nomadischen Gruppen und sesshaften Bauern geprägt. „Inmitten dieser Spannungen zwischen sesshaften und mobilen Lebensweisen etablierten verschiedene Gemeinschaften eine potenziell explosive Mischung von gegensätzlichen Vorstellungen zu Landnutzung und Eigentum“, erklären die Archäologen.

Insofern passt das Massengrab von Gomolava auf den ersten Blick durchaus ins Bild. In der Grube identifizierte das Team die Skelette von 77 Toten, die offenbar gewaltsam zu Tode gekommen waren. Indiz dafür sind zahlreiche nicht ausgeheilte Schädelverletzungen, meist durch Schläge mit stumpfen Waffen auf den Hinterkopf. „Ebenfalls vorhanden waren zahlreiche Wunden durch Pfeile oder Speere, die darauf hindeuten, dass die Opfer versucht hatten, ihren Mördern zu entkommen“, schreiben Fibinger und ihre Kollegen. „Insgesamt sprechen die Verletzungen für massive Gewalt, die brutal, gezielt und effizient war.“

Fast nur Frauen und Kinder – aber keine Familie

Als die Archäologen die Opfer dieser Gewalttat genauer untersuchten, zeigte sich jedoch Überraschendes. Von den 77 Toten waren 40 Kinder unter zwölf Jahren, elf Jugendliche und mindestens 21 erwachsene Frauen. „Wenn wir frühgeschichtliche Massengräber mit dieser Demografie sehen, erwarten wir meist, dass eine Familie oder ein Dorf angegriffen wurden“, sagt Seniorautor Barry Molloy vom University College Dublin. Doch in Gomolava war dies offenbar nicht der Fall. Denn Isotopenanalysen ergaben, dass die Toten nicht lokaler Herkunft waren, sondern aus einem größeren Gebiet im Karpatenbecken stammten.

Die DNA-Analysen einiger der Toten sprachen auch gegen eine Familie oder Verwandtschaftsgruppe: „Gomolava überraschte uns wirklich, als unsere genetischen Analysen ergaben, dass die Mehrheit der dieser Menschen nicht miteinander verwandt war, nicht einmal ihre Ururgroßeltern waren es“, sagt Molloy. „Dies ist für ein prähistorisches Massengrab höchst ungewöhnlich und nicht das, was wir erwarten würden, wenn diese Menschen in einem Dorf gelebt hätten.“ Die Frauen und Kinder im Massengrab waren demnach eine heterogene Gruppe und müssen aus verschiedenen Siedlungen und Gemeinschaften vor ihrem Tod dort versammelt worden sein. Ob dies unmittelbar vor ihrem Tod durch die Täter geschah oder schon einige Zeit davor, ist noch ungeklärt.

Erst ermordet, dann sorgsam bestattet

Doch das Massengrab von Gomolava ist noch in einer anderen Hinsicht ungewöhnlich. „Normalerweise werden die Opfer in solchen Massengräbern ohne große Sorgfalt einfach verscharrt. Die Toten von Gomolava wurden zwar ebenfalls hastig in einer ungenutzten, halbunterirdischen Behausung begraben. Aber ihre Leichen wurden nicht ihrer Wertgegenstände beraubt und zusätzlich gab man ihnen sogar noch Opfergaben mit in die Grube“, berichtet Molloy. Davon zeugen Bronzeschmuckstücke, Keramikgefäße und eine ganze Schicht aus Tierknochen unter den Toten. Auf dem Grab legte man zudem Mahlsteine ab und errichtete einen Grabhügel.

Nach Ansicht der Archäologen spricht all dies dafür, dass sich an diesem Ort vor 2800 Jahren mehr als nur ein gewöhnlicher Überfall ereignete. Möglicherweise sollte die brutale Ermordung der Frauen und Kinder eine warnende Botschaft an die umgebende Bevölkerung senden. „Die Tötungen und die anschließende rituelle Bestattung könnte man als Machtdemonstration lesen und als Versuch, Dominanz über Land und Ressourcen zu erlangen“, sagt Fibinger. Dabei scheuten die Täter sich nicht, selbst wertvolle Bevölkerungsressourcen wie Frauen im fruchtbaren Alter und potenziell als Sklaven geeignete Kinder und Jugendliche zu töten.

Quelle: University College Dublin, Fachartikel: Nature Human Behaviour, doi: 10.1038/s41562-025-02399-9

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