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Ein runder Pool für den Flussgott
Geschichte & Archäologie

Ein runder Pool für den Flussgott

Blick auf den Wassertempel von Pelusium. · Foto: Ministry of Tourism and Antiquities

Die antike Stadt Pelusium spielte in der ägyptischen Antike eine wichtige Rolle als Handelszentrum und Festung gegen Angriffe aus der Levante. Jetzt haben Archäologen dort einen ungewöhnlichen Tempel entdeckt: Ein Heiligtum in Form eines kreisrunden, 35 Meter großen Wasserbeckens mit zentralem Podest und Kanalverbindungen zu einem Nilseitenarm. Diese bislang einzigartige wasserdurchströmte Anlage diente wahrscheinlich als Tempel für den Flussgott Pelusius, den namensgebenden Patron der Stadt.
Autor
Redaktion
28. April 2026
Lesezeit
3 Minuten
Rubrik
Geschichte & Archäologie

Die am östlichen Rand des Nildeltas gelegene Hafenstadt Pelusium war in pharaonischer Zeit ein wichtiges Handelszentrum. Durch ihre Lage an einem Seitenarm des Nils verfügte sie über eine Anbindung ans Mittelmeer und war daher Anlaufstelle für Schiffe und ihre Waren. Aufgrund ihrer strategisch bedeutenden Lage fungierte Pelusium aber auch als Grenzbefestigung gegen Angriffe aus der Levante. Denn von dort kommende Feinde mussten durch den Norden des Sinai und damit direkt an Pelusium vorbei. Als „Festung Ägyptens“ kommt die Stadt sogar in der Bibel vor. Sowohl die Perser als auch die Römer belagerten und eroberten Pelusius im Rahmen von Feldzügen. Schon seit mehr als 100 Jahren führen Archäologen in der Stadt Ausgrabungen durch.

Tempel von oben
Die Luftaufnahme zeigt die ungewöhnliche und komplexe Anlage des Tempels. © Ministry of Tourism and Antiquities

Rätselhafter Rundbau

Im Jahr 2019 stieß ein Archäologenteam bei Ausgrabungen nahe der Hauptstraße Pelusiums auf Teile eines kreisrunden, aus roten Ziegeln und Kalkstein errichteten Gebäudes. Aufgrund des großen Umfangs der damals erst zu einem Viertel freigelegten Mauern und den Überresten einiger als Bänke interpretiertenr Einbauten im Innenteil vermuteten Archäologen, dass es sich um einen öffentlichen Bau – möglicherweise sogar das Senatsgebäude der Stadt – handeln könnte. Seither hat das Team der ägyptischen Altertumsbehörde weitere Teile des Rundbaus ausgegraben und auch die Strukturen im Inneren des Kreises und in seiner Umgebung freigelegt.

Die bei diesen Ausgrabungen entdeckten Strukturen widerlegen nun die früheren Annahmen zur Funktion des Gebäudes, wie Mohamed Abdel-Badi von der ägyptischen Altertumsbehörde berichtet. Demnach handelt es sich bei diesem Bauwerk nicht um ein Senatsgebäude Pelusiums, sondern um einen ungewöhnlichen Tempel. „Die Überreste des Tempels bestehen aus einem massiven, kreisrunden Wasserbecken mit rund 35 Meter Durchmesser“, so der Archäologe. Im Zentrum des Wasserbeckens entdeckte das Team ein großes, quadratisches Podest, auf dem wahrscheinlich einst die monumentale Statue einer Gottheit stand.

Beckenmauer
Blick auf den gemauerten Rand des Tempelbeckens und einen Kanal. © Ministry of Tourism and Antiquities

„Bedeutender Fund“

Nach Angaben des Forschungsteams diente diese Anlage wahrscheinlich religiösen Ritualen in Verbindung mit dem Flussgott Pelusius – dem Patron der Stadt Pelusium. Dessen Name ist vom griechischen Wort „Plus“ abgeleitet, was so viel wie Schlamm oder Schlick bedeutet. Dies passt zu dem nach ihm benannten Seitenarm des Nils, dessen Wasser viel Sediment mitführte und letztlich zur Verlandung des Flusses führte. Das runde Wasserbecken des Tempels war über ein umfangreiches Netz von Kanälen mit diesem Nil-Seitenarm verbunden. Von dieser Verbindung zeugen auch Schlickablagerungen im Tempelbecken.

Dieser Fund sei von großer Bedeutung, betonte Hisham El-Leithy, Generalsekretär des obersten Rats für Altertümer. Denn der einzigartige Tempel unterstreiche die wichtige Rolle Pelusiums im antiken Ägypten und den Einfluss dieser Stadt auch für die Verbreitung religiöser und kultureller Ideen in jener Zeit. Datierungen zufolge wurde der Wassertempel von Pelusium vom zweiten Jahrhundert vor Christus bis ins sechste Jahrhundert unserer Zeit hinein genutzt. Die ungewöhnliche Architektur der Anlage vereint hellenistische und römische Stile. Damit sei dieser Tempel eine Verkörperung der engen kulturellen Beziehungen zwischen Ägypten und der antiken Welt, so El-Leithy. Noch sind die Ausgrabungen nicht abgeschlossen, daher erhofft sich das Team in naher Zukunft weitere Erkenntnisse.

Quelle: Egypt Ministry of Tourism and Antiquities

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