Der Historiker Jürg Simonett geht dieser Frage nach. 1899 in Vals als uneheliches Kind geboren, wurde Stoffel schon früh „verdingt“, das heißt, er musste in einem fremden Haushalt arbeiten. Mit der Mutter, die mittlerweile geheiratet hatte, zog er 1915 nach Köln, wo er erste Diebstähle beging. Da er als Kleinkrimineller nun keine Arbeit mehr fand, schloss sich nach der Rückkehr in die Schweiz ein Kreislauf von Straftaten, Gefängnis und erneuter Delinquenz an. Der kleine, gewandte Mann lieferte sich häufig Verfolgungsjagden mit der Polizei, bevor er festgesetzt werden konnte, wendete aber nie Gewalt an.
Was Stoffels kriminelle Karriere jedoch spektakulär werden ließ, war, dass er nicht nur ein geschickter Einbrecher, sondern auch ein ebensolcher Ausbrecher war. Mehrfach gelang es ihm, aus dem „Sennhof“, der Strafanstalt in Chur, zu entweichen, was die Behörden mächtig unter Druck setzte und ein bezeichnendes Licht auf den Sicherheitsstandard der Schweizer Gefängnisse warf. Sein Husarenstück aber lieferte Stoffel, als er 1929 durch ein offenes Fenster in eben diesen „Sennhof“ einbrach und aus einem Schreibtisch 400 Franken und einen Revolver stahl.
Spätestens jetzt avancierte Stoffel zum Volkshelden, dessen Taten Stoff für eine wöchentliche Zeitungsrubrik lieferten. Dem Robin-Hood-Mythos aber entsprach er nicht. Es ging ihm nicht darum, den Reichen zu nehmen, um den Armen zu geben, sondern der Frauenheld gab das ergaunerte Geld mit vollen Händen für sich selbst aus.





