Entdeckt wurde das seltene Römergrab durch Zufall. Denn eigentlich wollte das Archäologenteam um Anne Viero vom französischen Nationalinstitut für präventive Archäologie (INRAP) im Vorfeld von Bauarbeiten Relikte einer mittelalterlichen Siedlung bergen. Daher führten sie in der kleinen Stadt Lamonzie-Saint-Martin im Département Dordogne vorbeugende Ausgrabungen durch.

Seltene Form der Feuerbestattung
Bei der Ausgrabung einer Reihe von Vorratssilos aus dem Mittelalter entdeckten die Archäologen unter dieser Fundschicht eine unerwartete und deutlich ältere Struktur: Ein rechteckiges, rund 2,20 mal 1,05 Meter großes Grab, das von einem Mäuerchen mit deutlichen Brandspuren umgeben war. Im Inneren dieser Fläche zeigte sich eine rund 15 Zentimeter hohe Schicht aus Kohle und Asche, in der verbrannte menschliche Knochenreste sowie Grabbeigaben zu erkennen waren. Ersten Datierungen zufolge stammen die Funde aus dem ersten bis zweiten Jahrhundert und damit aus der römischen Kaiserzeit, wie Viero und ihre Kollegen berichten.
Das Besondere ist jedoch die Art des Grabes: Es handelt sich den Archäologen zufolge um ein römisches Bustum – eine spezielle Form der römischen Feuerbestattung. Bei dieser wurde der Verstorbene nach öffentlicher Zurschaustellung und zusammen mit den Grabbeigaben direkt in oder über dem offenen Grab verbrannt. Die Reste der verbrannten Gebeine, Beigaben sowie Münzen für den Übergang ins Jenseits wurden anschließend mit Erde überdeckt und vor Ort begraben. Im Gegensatz dazu waren die häufigeren Ustrinum-Feuerbestattungen eher mit klassischen Krematorien vergleichbar, wie die Archäologen erklären: Diese Verbrennungsstätten wurden mehrfach genutzt und die Überreste der verbrannten Toten dann anderswo, oft in Urnen, bestattet.
22 Goldobjekte, darunter ein Amulett und ein Siegelring
“Der Fund eines reich ausgestatteten Bustums aus der römischen Kaiserzeit ist einer der bedeutendsten Funde dieser Ausgrabung”, heißt es in der Mitteilung der INRAP. Unter den Beigaben in diesem Römergrab sind neben Kupfermünzen und einem Glasgefäß auch 22 Goldobjekte. Mehrere kleine runde Goldbleche, Golddrähte und Goldtröpfchen waren offenbar einst an Schmuckstücken sowie einer mit Goldplättchen besetzten Geldbörse oder einem Geldkästchen befestigt, wie Viero und ihr Team berichten.
Drei Goldobjekte stechen jedoch besonders hervor. Das erste ist ein aus Goldband gedrehter Armreif, das zweite ein goldener Anhänger in Tropfenform. Dabei handelt es sich nach Angaben der Archäologen um eine Bulla, einen Anhänger, der in der Römerzeit oft als Amulett von jungen Männern aus wohlhabenden römischen Familien getragen wurde. Dies bestätigt, dass der Tote im Römergrab eine hohe soziale Stellung innegehabt haben muss. Dafür spricht auch das dritte bedeutende Goldobjekt: ein Siegelring mit einer Gemme. Durch die Hitze der Verbrennung ist dieser Ring zwar verformt, dennoch sind Reste der Fassung und des darin ursprünglich enthaltenen Bergkristalls zu erkennen, wie die Forschenden berichten.






