Tatsächlich setzte der Schock der Teilung von 1772 enorme Potentiale frei. Zwar waren erste zaghafte Reformen bereits unmittelbar nach Stanislaus Augusts Wahl 1764 angeschoben worden, aber erst jetzt traten die alten Rivalitäten unter den Magnatenfamilien stärker zurück und begannen die Reichstage, endlich konzentrierter zu arbeiten: Faktisch wurde das „Liberum veto“ nach 1772 kaum noch angewandt.
Angefeuert wurde der beginnende Reformprozess von einer Gruppe kleinadliger oder bürgerlicher Intellektueller um Hugo Kołł˛ataj, Stanisław Staszic und Józef Wybicki, die sich einer grundlegenden Reform der maroden Staatsverfassung auf friedlichem, nicht-revolutionärem Weg verschrieben hatten: Sie forderten unter anderem eine dauerhafte Einschränkung der Macht der Magnaten bei gleichzeitiger Stärkung der königlichen Gewalt, eine Modernisierung der Verwaltung, eine Aufwertung der Städte, eine gezielte Förderung von Handel und Gewerbe, eine Verrechtlichung der Stellung der Bauern und Juden. Und tatsächlich zeitigten die Reformbestrebungen rasch erste Ergebnisse: Die Aufhebung des Jesuitenordens durch Papst Clemens XIV. 1773 etwa wurde zur Einrichtung des ersten weltlichen, bereits nach modernen Maßstäben funktionierenden Bildungsministeriums in Europa genutzt.





