Den 200 000 stockte der Atem. Der steinerne Koloß hing zwischen Himmel und Erde – und die Seilwinden konnten nicht mehr weiter gedreht werden. Nur wenige Zentimeter hätten noch gefehlt, dann wäre der Obelisk in der Senkrechten angekommen. Drei Jahre war er unterwegs gewesen, den weiten Weg von Ägypten hierher nach Paris. Und nun? Ein alter Seemann soll aus der totenstillen Menge den entscheidenden Hinweis gegeben haben: “Macht die Seile nass!” Und – so will es die Anekdote – dieser Trick rettete die Situation. Die Hanftaue schrumpften beim Trockenen so weit, daß der Obelisk vollends aufgerichtet werden konnte. Nun also stand er da. Ein mehr als 3000 Jahre altes Monument. Mitten in Paris. Die Prachtsäule, auf der in Hieroglyphen die Taten des Pharaos Ramses II. gepriesen werden, war ein Geschenk, daß der ägyptische Vizekönig Mehmet Ali 1829 an König Charles X. gemacht hatte. Auf dem Place de la Concorde steht er noch heute, als Symbol für die Ägyptomanie der Franzosen.