Als ein Elsässer Geschichtsschreiber es sich am Ende des 13. Jahrhunderts zur Aufgabe machte, die Lebensverhältnisse in seiner Heimat um das Jahr 1200 zu beschreiben, fand er für den Adel die knappen Worte: „Die Ritter verbrachten die meiste Zeit mit Jagen, Fischen, Turnieren, Kampfspielen und Liebesabenteuern.“ Was unser Autor über die weltlichen Eliten des Oberrheinraums zu berichten wusste, erweckt kaum den Eindruck einer kulturellen Blüte auf dem Scheitelpunkt der staufischen Epoche. Gleichwohl trifft sein Sittengemälde in bemerkenswerter Weise den Tenor zahlreicher Adelsporträts des hohen Mittelalters.
Über den Lebensstil des mächtigen Herzogs Welf VI. etwa hielt man in seinem Haus- und Begräbniskloster Steingaden (südlich von Augsburg) fest, er habe die letzten Jahre seines Daseins überaus üppig mit Weidwerk, Festspielen und fremden Frauen verbracht. Offenbar erfasste die Aufzählung des Elsässer Chronisten präzise Kernelemente eines adligen Lebensstils. Beizjagd, Turnierwesen und Minnelyrik entfalteten im Reich nördlich der Alpen unter dem Regiment der Staufer nicht nur eine erste hohe Blüte. Alle drei Bereiche fanden in den Vertretern der schwäbischen Dynastie zugleich leidenschaftliche Anhänger und engagierte Förderer.
Als kulturelles Importgut aus dem französischen Westen verdankt das ritterliche Turnier seine Aufnahme im Reich nicht zuletzt einer staufischen Initiative. Zumal, wenn man den Bericht des Bischofs Ottos von Freising über das 1127 vor den Mauern Würzburgs abgehaltene, „nunmehr gemeinhin turnoimentum“ genannte Kampfspiel als frühesten Beleg einer solchen Veranstaltung auf deutschem Boden werten will. Trat damals der schwäbische Herzog Friedrich II. gemeinsam mit seinem Bruder Konrad zum Waffengang an, so sollte das ritterliche Turnier nur eine Generation später auf dem berühmten Mainzer Hoffest Friedrich Barbarossas 1184 einen glanzvollen Höhepunkt erleben. Angeblich 20 000 Ritter beteiligten sich dort über zwei Tage hinweg am waffenlosen Schaureiten. Der Kaiser selbst begab sich mit seinen mehr als 60 Lebensjahren unter die Waffenträger: „Und wenn er auch an Größe und Schönheit nicht alle übertraf, so führte er doch seinen Schild am besten“, notierte voll staunender Anerkennung der Hennegauer Chronist Gislebert von Mons.
Überlegenheit und Eifer bescheinigen die Zeitgenossen dem Kaiser auch auf anderen Feldern adligen Freizeitvergnügens. Rühmend hebt der Freisinger Notar Rahewin die Anlage von Fischteichen und Wildgehegen auf dem Gelände der Pfalz Kaiserslautern hervor. Hier konnte Friedrich Barbarossa offenbar einer besonderen Neigung nachgehen, denn der Chronist fährt fort: „Wenn er die Jagd betreibt, so steht er keinem darin nach, Rosse und Hunde, Falken und andere derartige Vögel abzurichten, zu beurteilen und anzuwenden“. Sein Enkel, Friedrich II., gab sich dem Weidwerk gar mit solch großer Leidenschaft hin, dass man an der päpstlichen Kurie spöttisch bemerkte, statt des hoheitlichen Zepters führe er den Jagdspieß und anstatt mit Waffenruhm und Gesetzen schmücke er sich mit Hundemeuten und Vogelgezwitscher.





