Gelegenheit und Zeitpunkt sind günstig: Gut 100 Jahre nach seiner Eröffnung im Jahr 1922 steht das Museum für Hamburgische Geschichte, genauso wie auch andere Häuser des Museumsverbunds, vor einer umfassenden baulichen Umgestaltung. Insgesamt wurden der SHMH – maßgebliche Instanz für die Regionalgeschichte Hamburgs und des Umlands – dafür bislang 303,3 Millionen Euro öffentliche Gelder vom Bund sowie der Freien und Hansestadt Hamburg zugesagt. Mit 185,5 Millionen Euro fließt der Löwenanteil an das im Aufbau befindliche Deutsche Hafenmuseum, 39 Millionen gehen an das Altonaer Museum und 36 Millionen Euro an das Museum für Hamburgische Geschichte.
Wo sich angesichts beachtlicher Fördermittel und Modernisierungsmaßnahmen vielfach Zäsuren abzeichnen, ist auch der Ruf nach programmatischer und konzeptioneller Neuorientierung nicht weit. Und tatsächlich nimmt die SHMH, die mit fast 400 000 Besuchern zu den größten stadt- und regionalgeschichtlichen Einrichtungen Europas zählt, Anlauf für einen inhaltlichen Neustart: Projektiert sind etwa eine größere Berücksichtigung zeitgemäßer Bezüge sowie die verstärkte Hereinnahme der verschiedenen Perspektiven gesellschaftlicher Minderheiten (Stichwort: Diversität).
Zu dem öffentlich-rechtlichen Stiftungsverbund gehören als Haupthäuser das Museum für Hamburgische Geschichte, das Altonaer Museum, das Museum der Arbeit und seit 2021 das im Aufbau befindliche Deutsche Hafenmuseum. Darüber hinaus sind fünf weitere Standorte (siehe Seite 128) Teil der SHMH mit ihren insgesamt rund 250 Beschäftigten sowie als zentraler Besucherservice der Museumsdienst Hamburg.
Stadt- und Kulturgeschichte Hamburgs und des norddeutschen Raums
Das Museum für Hamburgische Geschichte, das nach den Plänen des Hamburger Architekten und Stadtplaners Fritz Schumacher (1869–1947) erbaut und am 13. August 1922 auf dem Platz der alten Sternwarte eröffnet wurde, ist aus der Sammlung der „Hamburgischen Altertümer“ des Vereins für Hamburgische Geschichte hervorgegangen. Die heute rund 530 000 Objekte umfassende Sammlung führt eine Vielzahl kulturgeschichtlicher Objekte zusammen, darunter Alltags- und Gebrauchsgegenstände, Gemälde, Skulpturen, Graphiken, Fotografien, Textilien, Schiffs- und topographische Modelle, Möbel, Textilien und Münzen.
Eine Besonderheit des Museums sind die Spolien, architektonische Zeugnisse von einst repräsentativen Hamburger Gebäuden, die an der Außenfassade, aber auch im Innern des Museumsgebäudes zahlreich verbaut sind, so etwa das Portal des alten Hamburger Bauhofs. Aufgrund der laufenden Umbauarbeiten, die auch eine Öffnung des Museumsbaus zum angrenzenden Park hin vorsehen, sind die Bereiche der ständigen Ausstellung seit 2023 vorerst für den Besucherbetrieb geschlossen. Weiterhin geöffnet bleibt noch bis Ende 2023 das Erdgeschoss mit dem Bereich für die Sonderausstellungen.





