Der griechische Geschichtsschreiber Strabon (um 63 v. Chr. – nach 23 n. Chr.) berichtet, dass in mythischer Vorzeit Androklos, Sohn des athenischen Königs Kodros, Attika verließ, über die Ägäis segelte und sich anschickte, in Kleinasien ein neues Königreich zu errichten. Er landete an der Mündung des Flusses Kaystros (Kleiner Mäander) und machte sich daran, die einheimische Bevölkerung, bestehend aus Karern und Lelegern, zu unterwerfen. Seine Krieger vertrieben die Bewohner einer Hügelsiedlung – wohl auch, weil Androklos jedwede Konkurrenz für sein eigenes Siedlungsprojekt beseitigen wollte. Eine weitere Siedlung, nicht in den Hügeln, sondern an einer Bucht gelegen, war allerdings vor den Griechen sicher. Dem antiken Reiseschriftsteller Pausanias (um 115 – um 180) zufolge erachteten die Griechen diese Siedlung als unangreifbar, da sich dort ein Heiligtum der anatolischen Göttermutter Kybele befand.
Der Kult war schon alt, und viele griechische Gelehrte späterer Jahrhunderte sahen in den mythischen Amazonen seine Gründerinnen. Mittelpunkt des Kultes war eine hölzerne Statue der Göttin, die bei der Ankunft der Griechen vermutlich noch unter freiem Himmel aufbewahrt wurde, etwa bei einer großen Zeder. Androklos und die Seinen sahen in der Muttergöttin die griechische Göttin Artemis, die Herrin der Tiere und der Jagd. So wandelte sich der einheimische Kult. Es begann die Ära der Artemis Ephesia.





