Zum ganzen Dorf kann ein „Talk Walk“ heruntergeladen werden, der viele Erläuterungen zur Dorf- und Hausgeschichte bietet und dabei immer auch die Gegenwart in den Blick nimmt – ein grundlegendes Prinzip des Museums, das unter anderem mit Jahresthemen wie „Nachbarschaft“ oder „Jugend im Aufbruch“ gezielt das Wissen der Bewohner aktiviert.
Das Oderbruch Museum mit Darstellung des Gesamtgebiets brauchte mehr Raum und ist deshalb in einem renovierten Schloss in Altranft – heute ein Teilort der Gemeinde Bad Freienwalde – untergebracht. Den kleinen Adelssitz aus dem 17. Jahrhundert baute der Zuckerrüben- und Kohleindustrielle Graf Edwin von Hacke im 19. Jahrhundert zu einer repräsentativen Anlage mit Landschaftspark aus. Insofern gibt schon das Gebäude einen ersten Hinweis auf historische Entwicklungen in der Region.
Im herrschaftlichen Treppenhaus lädt eine Themengalerie mit Fotos und Fragen zur Gegend die Besucher zum Entdecken der Ausstellung ein. Die historische Landkarte des Oderbruchs von Schmettau ist ein besonders geeigneter Einstieg, denn sie zeigt die trockengelegte Kulturlandschaft im Werden. Kleine an den jeweiligen Orten aufgebrachte Texte erklären die Baumaßnahmen und die Siedlungsentwicklung. Kolonisten wurden aus Hessen, Baden, Württemberg und selbst aus Neuenburg in der Schweiz angeworben.
Wer sich für die aktuelle Wasserbewirtschaftung interessiert, kann das technische Gesamtschema der Regulierung mit 40 Schöpfwerken, 300 Wehr- und Stauwerken und insgesamt über 1000 Kilometer Wasserwegen studieren. (Nicht nur) Für Kinder ist die raumfüllende Oderbruch-Murmelbahn eine gute Form, die Fließwege des Wassers spielerisch zu erkunden.
Zwei Videostationen ermöglichen den aufschlussreichen Vergleich der Berichterstattung zu den Oderhochwassern von 1947 und 1997. Nachkriegsarmut hagerer Menschen und sozialistischer Aufbauoptimismus kontrastieren mit großer Solidarität in einer Wohlstandsgesellschaft, unterstützt vom massiven Einsatz technischer Großgeräte.
In der ersten Etage erinnert ein knapper historischer Durchgang durch die Regionalgeschichte in einigen Vitrinen unter anderem an die Schlacht auf den Seelower Höhen, mit der die sowjetischen Truppen 1945 den Durchbruch nach Berlin erkämpften. In den Folgejahren war das Schloss Sitz der Kommandantur. Später wurde im Ort eine LPG (Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft) gegründet. Das Thema „Glaube und Macht“ wird anschaulich in einem Raum inszeniert, der die Situation der Kirche in den vier politischen Systemen gegenüberstellt, die das Oderbruch erlebte.
Im nahe gelegenen Kunersdorf bestand um 1800 der Salon der Henriette Charlotte von Itzenplitz, an den ein salonartig eingerichteter Raum erinnert. Hier liegt der gut edierte Briefwechsel dieser tatkräftigen Gutsherrin mit dem Landwirtschaftsreformer Albrecht Daniel von Thaer aus. Das gegenüberliegende Herrenzimmer mit gründerzeitlichen Möbeln erinnert an Gustav Schüler, der im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts ein sehr bekannter Lyriker war und 1938 in Freienwalde starb. Restaurierte Schlossräume vermitteln einen Eindruck der früheren Pracht. Die Galerie mit Objekten zur Ortsgeschichte bietet dazu einen aufschlussreichen Kontrast.





