Thematisch beschränkt sich der Autor auf die Antike im engeren Sinne, also die griechische und römische Geschichte. Dies begründet Rubel mit unterschiedlichen, aber dennoch vergleichbaren politischen und gesellschaftlichen Begebenheiten und deren Bedeutung für die europäische Gegenwart. Problematisch an dieser Argumentation ist die Marginalisierung der innergriechischen Heterogenität und der politischen und gesellschaftlichen Veränderungen der griechischen Poleis sowie des römischen Reichs im Verlauf der Epoche. Nicht minder hätte man auch die Diskrepanz römischer und griechischer Politik und Gesellschaft herausarbeiten oder Analogien mit außereuropäischen Gesellschaften finden können. Es ist bedauerlich, dass (wieder einmal) außereuropäische antike Gesellschaften nicht behandelt werden und die Perspektive damit eurozentrisch und konventionell ist.
Anstelle einer klassisch chronologischen Erzählweise präferiert Rubel eine „szenische“ Präsentation, das bedeutet, er wechselt immer wieder zwischen Griechen und Römern, um so eine kohärente Geschichte darstellen zu können. Zugunsten einer knappen Erzählung geht Rubel nicht auf aktuelle Forschungskontroversen ein. Dies begründet der Autor neben der Fülle an Publikationen auch mit seiner Zielgruppe, die Neueinsteiger in die Thematik, allgemein Interessierte sowie Schüler, Lehrer und Studierende umfasst. Trotzdem wäre hier zumindest ein Kapitel zu den Forschungskontroversen angemessen gewesen, denn auch Neueinsteiger sollten erfahren, dass Geschichtsschreibung immer einem Deutungsprozess unterliegt. Alle Quellen sind leserfreundlich in deutscher Übersetzung abgedruckt. Das Literaturverzeichnis ist recht spärlich gehalten, Anmerkungen im Text fehlen. Die kommentierten Angaben zur vertiefenden Lektüre am Ende jedes Kapitels können dies nur bedingt kompensieren. Am Ende des Buches gibt es eine hilfreiche Zeittafel sowie ein Personenregister. Im Text sind regelmäßig erläuternde Bilder und Karten untergebracht. Das Buch liest sich angenehm und flüssig, Fachtermini werden entweder erläutert oder weggelassen.
Das Buch ist in zwei Abschnitte eingeteilt. Der erste behandelt chronologisch historische Zusammenhänge, vor allem politische Entwicklungen, während sich der zweite Teil vornehmlich mit der Kultur- und Sozialgeschichte beschäftigt, um abschließend auf die Bedeutung der Antike für die Moderne einzugehen. Der Autor postuliert hierfür eine europäische Kultur, welche auf verbindenden, antiken Grundlagen aufbaue, so z. B. auf der Verbreitung romanischer Sprachen oder dem Christentum. Diese Argumentation ist problematisch und zu kurz gegriffen. So sind die romanischen Sprachen nur einige von vielen in Europa und das Christentum beeinflusste zwar den europäischen Raum, war aber über die Jahrtausende hinweg einem starken Wandlungsprozess unterzogen und ist in sich nicht homogen. Ebenso problematisch ist Rubels Verwendung des Kulturbegriffs, den er nicht klar definiert, sodass dem Leser verborgen bleibt, was genau der Autor nun unter „Kultur“ bzw. „der europäischen Kultur“ versteht. Durch Rubels Verwendung des Kulturbegriffs werden Dynamiken ausgeblendet, Differenzen betont und scharfe Grenzen gezogen, welche nach innen homogenisieren und nach außen heterogenisieren. „Kultur“ ist aber nur ein Konstrukt, welches durch soziales Handeln permanent und individuell mitkonstituiert wird. Wo eine „Kultur“ endet und eine andere beginnt, ist aufgrund fließender Übergänge nicht zu bestimmen. Rubels Konzept einer „einheitlichen europäischen Kultur“ blendet zudem den kulturellen Austausch mit nicht-europäischen Gesellschaften aus.





