Wie aus dem Nichts tauchten die viereckigen Segel der Wikingerschiffe vor dem mächtigen Ringwall an der Alster auf. Es blieb keine Zeit, sich vor dem Angriff der Nordmänner in Sicherheit zu bringen. Mit Müh und Not gelang dem Missionsbischof Ansgar die Flucht, „sogar ohne seine Kutte“, wie der zeitgenössische Chronist bemerkt. Immerhin hatte er die kostbaren Reliquien der Heiligen Sixtus und Sinnitius dabei. Als Trauma blieb der Wikinger-Überfall von 845 im Gedächtnis des Geistlichen haften, so dass er später den Sitz seines Bistums von der Hammaburg ins sichere Bremen verlagerte.
Hamburg hat sich im Lauf seiner 1200-jährigen Geschichte immer wieder neu erfunden – manchmal als Ergebnis von Gewalt und unvermittelt wie im Jahr 845, oft indes langsam und kaum bemerkt. Nicht von ungefähr soll der einstige Direktor der Hamburger Kunsthalle, Alfred Lichtwark (1852–1914), einmal den Begriff der „Freien und Abrissstadt Hamburg“ geprägt haben. Wer heute die an Alster und Elbe gelegene Millionenstadt mit der modernen Hafencity und den repräsentativen Flaniermeilen an Jungfernstieg oder Neuem Wall besucht, wird sich kaum die bescheidenen Anfänge ausmalen können.





