Das Online-Projekt „Geschichte im Fluss. Flüsse als europäische Erinnerungsorte“ der Bundeszentrale für politische Bildung ist Anfang September an den Start gegangen und kann im Internet eingesehen werden. Das neue Dossier setzt sich mit der vielschichtigen Deutung europäischer Ströme im Laufe der Zeit auseinander. Die Bedeutung von Flüssen für die menschliche Zivilisationsgeschichte lässt sich schwerlich in einigen wenigen Worten zusammenfassen. Flüsse sind und waren unter anderem: natürliche Grenzen, Wasserwege, Wirtschaftsachsen, Kulturräume und Sehnsuchtsorte. Nicht zu vergessen ist auch, dass die Gegebenheit eines Flusses lange Zeit als Grundvoraussetzung für eine Stadtgründung galt. In der jüngeren Geschichte Europas besaßen die großen Ströme des Kontinents zum Teil eine besondere politisch-symbolische Bedeutung. Vergleicht man deren Wahrnehmung in Zeiten von Nationalismus und europäischer Integration lässt sich ein deutlicher Mentalitätswandel feststellen. Ein gutes Beispiel dafür ist der Rhein: Im 19. Jahrhundert galt der Fluss den Franzosen als „natürliche Grenze“, wohingegen er auf deutscher Seite klar als „Teutschlands Strom, nicht Teutschlands Gränze“ gesehen wurde. Seit 1945 bildet der Rhein zwar immer noch die Grenze zwischen Deutschland und Frankreich, wird nun aber im vereinten Europa als Grenzfluss wie auch als grenzüberschreitender Fluss wahrgenommen. Somit ist der Rhein heute auch ein Symbol für das Zusammenwachsen Europas.





