Ihr wisst“, schrieb Klara von Assisi an Agnes, die Tochter des böhmischen Königs Ottokar I., „dass der Bekleidete nicht mit dem Nackten kämpfen kann, da schneller zu Boden geworfen wird, der etwas hat, woran er sich festhalten kann“. Nackt und arm zu sein, das war in der mittelalterlichen Standesgesellschaft gefährlich und verächtlich, aber gerade darin lag für Klara die neue Freiheit. Niemand sollte sie mit materiellen Zwängen oder der Verheißung von Reichtum und Erfolg zu einem Leben drängen können, das sie nicht führen wollte.
Und erkennbar beeindruckt beglückwünschte sie ihre Schwester im Geiste Agnes im fernen Prag: „Ihr hättet außer anderem Prunk, Ehren und weltlichen Würden den außerordentlichen Ruhm genießen können, mit dem erlauchten Kaiser rechtmäßig vermählt zu werden, wie es Eurer und seiner Hoheit geziemt hätte. Doch Ihr habt das alles verschmäht.“





