Samsi-Addus Territorium grenzte im Westen an zwei mächtige Reiche, die verfeindet waren: Aleppo und Qatna. Zu dessen König Ischchi-Addu gelang es ihm, gutnachbarschaftliche Beziehungen aufzubauen. Dagegen griff Sumu-epuch von Aleppo seine Nachbarn mehrfach an oder stachelte Nomaden zu Angriffen auf. Das bewog Samsi-Addu und Ischchi-Addu zu einem Bündnis, das militärischen Beistand, regelmäßige Handelskontakte, den Austausch von Geschenken usw. zum Inhalt hatte. Besiegelt wurde die Allianz durch eine diplomatische Heirat ihrer Kinder. In einem Brief kündigte Samsi-Addu seinem Sohn die geplante Ehe an: „Ich werde die Tochter des Ischchi-Addu für dich [als Ehefrau] nehmen. Das Haus Mari ist berühmt, und auch das Haus Qatna ist berühmt. Der Brautpreis ist gering! Es ist fast eine Schande, ihn so gering zu geben. 5 Talente Silber [etwa 150 Kilogramm] Brautpreis werden Qatna gegeben, nämlich 1 Talent 10 Minen [etwa 35 Kilogramm] Silber, 12 Minen [etwa sechs Kilogramm] Gold, [x]tausend Schafe für 1 Talent Silber; [xhundert Rin]der für 1 [Talent Silber].“
Etwas großspurig bezeichnete Samsi-Addu den Brautpreis, den er für die Prinzessin aus Qatna zahlen wollte, als sehr niedrig. Vergleiche mit anderen Dossiers lassen das Gegenteil vermuten. Als Zimri-Lim von Mari einige Jahre später um eine Prinzessin aus Aleppo warb, betrug der Brautpreis nur ein Fünftel. Letztlich brachte auch Samsi-Addu keine fünf Talente Silber auf, einige Wochen später war nur mehr von vier Talenten Silber die Rede; deren Gegenwert brachten die Brautwerber an den Hof von Qatna. Zudem versorgte Ischchi-Addu von Qatna seine Tochter mit einer Aussteuer, über deren Höhe wir nicht informiert sind, die aber gewiss bedeutend war und die sie mit nach Mari brachte – vermutlich Schmuck, wertvolles Geschirr, Möbel, Textilien und Dienerinnen.
Nachdem die finanziellen Angelegenheiten geregelt waren, wurde die Braut in ihre neue Heimat geschickt. Die Reise war nicht nur lang, son-dern auch gefährlich, denn sutäische Nomaden stellten eine potentielle Bedrohung dar. Im Sommer 1782 traf der Hochzeitszug, den Samsi-Addu schickte, um die Prinzessin nach Mari zu eskortieren, wohlbehalten im Königreich Mari ein. Seinem Schwiegersohn schrieb Ischchi-Addu daraufhin folgenden Brief: „Ich habe deinem Schoß mein Fleisch und Blut gegeben. Die Dienerin, die ich dir gab – möge der Gott deinem Antlitz Gunst für sie gewähren. Ich habe deinem Schoß mein Fleisch und Blut gegeben, und dieses Haus ist zu deinem Haus geworden! Das Haus Mari ist zu meinem Haus geworden!“ Des Weiteren regte er an, zwischen den Höfen sollten künftig Geschenke ausgetauscht werden.
Welche Gefühle Jasmach-Addu für seine junge Ehefrau hegte, wissen wir nicht. Wir wissen allerdings, dass er eine Konkubine hatte, die er liebte und die er gern in seiner Nähe behalten hätte. So wollte er die Gewohnheit seines Vorgängers aufleben lassen, seine Ehefrau in einem eigenen Palast unterzubringen. Das verbot ihm Samsi-Addu jedoch – der Vater der Braut würde es gewiss übelnehmen. Jasmach-Addu beugte sich den Anweisungen seines Vaters, und die junge Königin lebte von nun an im großen Palast als Herrscherin des Reichs der Euphrat-Ufer. Verwaltungstexte aus Mari nennen ihren Namen nicht, sondern erwähnen sie nur mit ihrem Ehrentitel „Herrin“, beltum, so dass beltum lange für ihren Namen gehalten wurde. Vor wenigen Jahren erst ist vorgeschlagen worden, die Ehefrau Jasmach-Addus als die Prinzessin Dam-hurazi zu identifizieren.





