Als sich Eduard Martin, der Leiter der Entbindungsanstalt der Berliner Charité, am Morgen des 27. Januar 1859 auf den Weg zur Universität machte, wurde er auf der Straße vor seiner Wohnung in der Dorotheenstraße von einem herbeigestürzten Lakaien abgefangen. Der Professor möge sich eilends in das Kronprinzenpalais begeben. Hier lag Prinzessin Victoria, die junge Gattin des Prinzen Friedrich Wilhelm, seit Stunden in den Wehen. Eine Untersuchung durch den Leibarzt des Prinzenpaares hatte am Morgen ergeben, dass der Fötus sich in der Steißlage befand. Eine komplizierte Entbindung stand zu befürchten.
Was folgte, war eine unerhört schwierige Geburt, bei der das Überleben von Mutter und Kind auf Messers Schneide stand. Martin gelang es, das Baby im Geburtskanal der inzwischen vollends narkotisierten Prinzessin zu drehen. Dabei musste, wie der Gynäkologe später berichtete, der nach oben gestreckte linke Arm des Knaben „nicht ohne erhebliche Anstrengung“ nach unten geführt werden. Doch mit der Entbindung war der Schrecken noch nicht vorüber, denn das Neugeborene schien leblos. Da griff die Hebamme Stahl resolut ein und bearbeitete den Jungen „bald sanfter, bald stärker, klapp, klapp, klapp“, bis ein schwacher Schrei zu hören war. Sie hatte, wie sie später schrieb, den Prinzen „vom Grabe gerettet, für das er bestimmt war“.





