Die Lage eskalierte vollends, als Karl Ludwig die sanfte und unterwürfige Hofdame Louise von Degenfeld zur Mätresse nahm. Der Kurfürst, der Charlotte immer wieder demütigte, gewalttätig wurde und in einem offenen Brief beschuldigte, ihre ehelichen Pflichten nicht erfüllt zu haben, heiratete von Degenfeld 1657 „zur linken Hand“ (wie man eine Ehe mit einem sozial nicht ebenbürtigen Partner nannte). Charlotte verließ schließlich den Heidelberger Hof. Zu ihrem großen Kummer wurde ihr dazu der Kontakt zur Tochter Liselotte untersagt. Der pfälzische Eheskandal hatte mittlerweile europaweit Aufsehen erregt, aber alle Vermittlungsversuche von
Seiten anderer fürstlicher Häuser scheiterten.
Charlotte hatte den damals unverzeihlichen Fehler begangen, selbstbewusst und eigensinnig zu sein, sich nicht zu fügen. Das brachte ihr nicht nur im Leben Ungerechtigkeit und Demütigung ein, auch ihr Andenken in der Nachwelt wurde nachhaltig beschädigt.
Autorin: Dr. Talkenberger





