Zwischen dem 14. und 16. Jahrhundert wanderten, ähnlich wie im Hochmittelalter, weiterhin Menschen nach Ostmitteleuropa ein: etwa Juden, die vor der Verfolgung im Rheinland und in den Städten des Reichs nach Böhmen und Polen-Litauen flohen. Sie brachten ihre jiddische Sprache, aber auch ihre Handelskontakte mit.
Deutsche Kaufleute sahen gute Handelschancen, insbesondere in den böhmischen Randgebirgen, in den Bergbaustädten der Zips oder in St. Joachimsthal (Silberabbau), im südlichen Polen in Ołkusz (Blei, Kupfer und Silber) oder beim Salzabbau in Bochnia und Wieliczka. Auch die Handelsstädte wie Krakau oder Lemberg waren für sie attraktiv. Italiener wanderten im 15. und 16. Jahrhundert als spezialisierte Handwerker und Finanziers ein. Sie etablierten Banken oder Kunsthandwerksbetriebe.
Armenische Karawanen verkehren zwischen Lemberg und dem Osmanischen Reich
Eine Zuwanderung gab es auch von Osten und Südosten: Muslimische Tataren dienten in den litauischen Heeren als Kavallerie und erhielten in Litauen, etwa in Trakai (Troki), Wohnorte angewiesen. Armenische Händler waren als Fernhandelskaufleute vor allem in Richtung Südosteuropa und Schwarzes Meer aktiv und verfügten in Lemberg und Kamieniec Podolski über Niederlassungsrechte.
Diese Zuwanderer brachten wirtschaftliches Know-how und europäische Netzwerke mit sich. Die Polen und Litauer waren stärker mit dem Westen und dem Mittelmeerraum, aber auch mit Südosteuropa und dem Osmanischen Reich verflochten. Armenische Karawanen zogen regelmäßig von Lemberg durch Moldawien und die Walachei ins Osmanische Reich und brachten von dort Seide, Waffen, Gewürze, Genussmittel und Schmuck mit.
In Polen gaben diese intensiven Kontakte seit dem 16. Jahrhundert Anlass für die „sarmatische“ Mode: Die Männer kleideten sich nach persischen und osmanischen Vorbildern. Zugleich waren Armenier auch als Dolmetscher, Unterhändler und Diplomaten tätig. Der Dominikanermönch Martin Gruneweg (1562– nach 1618) berichtet in seinen Aufzeichnungen über die Ausbildung seines zeitweiligen Arbeitgebers, des armenischen Kaufmanns Aswadur, bei dessen Lehrmeister Mygyrdicz (Migerditz): „Bey diesem Migerditz lernete er diese sprachen, Armenisch, Taterss, Polnisch unde Reusisch, welche er alle so perfect konntte, als were er dainne geboeren … Er beredte sich auch sonst nach notturft mitt anderen natzionen, tzumoele Moldausch und war tzu allem von natur ser geschicket.“
Im Westen und Süden waren es die deutschen und italienischen Kaufleute, die das Jagiellonenreich in den Produktions- und Absatzraum Mitteleuropa einbezogen. Dies galt insbesondere für die Montanindustrie: In Böhmen, Oberungarn und Kleinpolen wurden Silber, Kupfer und Blei abgebaut. Die Erze wurden für den Münzmarkt benötigt bzw. über die Oder bis in die Niederlande exportiert. 1494 gründeten Kaufleute die Fugger-Thurzo-Gesellschaft, die für 30 Jahre europaweite Handelsaktivitäten entwickelte, bis die Einfuhr von Silber aus den süd- und mittelamerikanischen Kolonien die Weltwirtschaft fundamental umgestaltete.





