Welches waren die Koordinaten ihrer Regierungszeit? Kielinger blickt auf den englischen Sieg über die Armada und bezeichnet dies als die „Geburt der englischen Nation“, dann auf die Loslösung der englischen Kirche von Rom unter Heinrich VIII. Beide Geschehnisse sind quasi der Rahmen, in dem sich Elisabeths Leben vollzog.
Kielinger erzählt von ihrer Erziehung und Jugend und vom Kräftemessen mit ihrer katholischen Halbschwester Maria I., die, 1553 gekrönt, zur ersten englischen Königin aus eigenem Recht wurde, nachdem sie zuvor als „königlicher Bastard“ gedemütigt worden war. Elisabeth bewies in diesem Duell diplomatisches Geschick, während unter Marias Herrschaft die Scheiterhaufen für die Andersgläubigen loderten. Noch dramatischer gestaltete sich der Machtkampf zwischen Elisabeth und Maria Stuart, der bekanntlich mit deren Hinrichtung endete.
Elisabeth blieb zeitlebens unverheiratet. Kielinger aber beschwört immer wieder ihre erotische Ausstrahlung und charakterisiert Elisabeths raffiniertes Verhältnis zu ihren Favoriten,
allen voran zu Robert Dudley. Außerdem stellt er die als „Gloriana“ Verherrlichte zwischen „ihr“ Volk und das Parlament.
Was aber sind die bleibenden Leistungen der „jungfräulichen Königin“? Maßvoll, so Kielinger, habe sie etwa in der Außenpolitik agiert, sei nicht jedem bedrängten protestantischen Heerführer beigesprungen, habe jedoch schließlich Spanien die Stirn geboten, alles im Namen der Bewahrung Englands, für dessen Aufstieg zum Weltreich sie die Fundamente gelegt habe.
Innenpolitisch sei sie pragmatisch orientiert gewesen. Im „Elisabethanischen Zeitalter“ hat sich, so Kielinger, eine für England typische Mentalität herausgebildet, die für das Land prägend wurde, vor allem die Fähigkeit zum Kompromiss. Statt sich in den konfessionellen Streitigkeiten vollends zu zerfleischen, wie dies in Frankreich, dann im Dreißigjährigen Krieg geschehen ist, habe England seine eigene Antwort auf den Streit um den rechten Glauben gefunden: den Anglikanismus, vor allem durch Elisabeth etabliert. Sie sei um einen Ausgleich jenseits der Fanatismen der Katholiken bzw. der Calvinisten bemüht gewesen.
Doch ihre grausame Verfolgung dieser Andersgläubigen, die zahllose von ihnen das Leben kostete? Die steht auf einem anderen, auf einem nicht so makellosen Blatt.
Rezension: Dr. Heike Talkenberger
Thomas Klielinger
Die Königin
Elisabeth I. und der Kampf um England. Biographie
Verlag C. H. Beck, München 2019, 375 Seiten, € 24,95





